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Atombomben-Zoff zwischen Israel und den USA

Die Diplomatie zwischen Israel und den USA ist auf Tauchgang. Israels Ministerpräsident Netanyahu sagt, der Westen akzeptiere die iranische Atombombe und kassiert dafür eine heftige Retourkutsche.

Habe kein aussenpolitisches Gespür, sagt Kerry: Israels Ministerpräsident Netanyahu bei einer Rede in Maale Adumim. (25.02.2015)
Habe kein aussenpolitisches Gespür, sagt Kerry: Israels Ministerpräsident Netanyahu bei einer Rede in Maale Adumim. (25.02.2015)
Nir Elias, Reuters

Israel und die USA bezeichnen sich gegenseitig als die engsten Verbündeten. Doch die Animositäten zwischen den beiden Alliierten könnten kaum grösser sein.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat der Weltgemeinschaft vorgeworfen, den Bau einer iranischen Atombombe zu akzeptieren, statt ihn zu stoppen. Die Teilnehmer der Atomverhandlungen hätten dieses Ziel aufgeben, sagte Netanyahu am Mittwoch nahe Jerusalem.

Netanyahu «nicht bereit, das hinzunehmen»

«Gemessen an der Vereinbarung, die sich abzeichnet, scheint es, dass die Weltmächte diese Verpflichtung aufgegeben haben und akzeptieren, dass der Iran Schritt für Schritt, binnen einiger Jahre, die Fähigkeiten entwickelt, Material für viele Atombomben zu produzieren», sagte Netanyahu vor Anhängern seiner Likud-Partei. «Es kann sein, dass sie das akzeptieren, aber ich bin nicht bereit, das hinzunehmen.»

Netanyahu wurde schon vor seiner Rede kritisiert: Er hatte seine Rede vor dem US-Kongress hinter dem Rücken der US-Regierung eingefädelt. Er verteidigte sein Vorgehen. Netanyahu sagte, er respektiere das Weisse Haus und US-Präsident Barack Obama. Aber er habe keine andere Wahl, als in die USA zu reisen und sich gegen ein Abkommen im Atomstreit mit dem Iran auszusprechen. «Es ist meine Pflicht, alles für Israels Sicherheit zu tun».

Kein aussenpolitisches Gespür

US-Aussenminister John Kerry reagierte ungehalten auf Netanjahus Äusserungen. Netanyahu sei schon entschieden für die Invasion des Iraks und die Administraton von George W. Bush gewesen. Der israelische Ministerpräsident kritisierte einst das interimistische Abkommen zwischen dem Iran und den USA vom November 2013. Kerry: «Israel ist heute sicherer, Netanyahu lag falsch.» Netanyahu habe kein aussenpolitisches Gespür.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland verhandeln seit Monaten mit dem Iran über ein Atomabkommen, mit dem erklärten Ziel, den Bau einer iranischen Atombombe auf Dauer auszuschliessen. Bis Ende März soll eine Rahmenvereinbarung stehen. Netanyahu sah die Verhandlungen von Anfang an sehr kritisch.

In Israel steuert der Wahlkampf auf seinen Höhepunkt zu. Netanyahu plant für kommende Woche eine Rede vor dem US-Kongress in Washington zur Iran-Politik. Die US-Regierung ist darüber verärgert.

SDA/rsz

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