Zum Hauptinhalt springen

Bricht in London alles in Stücke?

Das Vorgehen der Brexit-Hardliner lässt vermuten, dass sie ihr Land mit allen Mitteln Richtung Abgrund manövrieren wollen.

Jeden Tag aufs Neue versetzt die britische Politik die Welt in Erstaunen. Gestern fand Theresa Mays Partei offenbar, dass noch nicht genug Chaos herrscht im Vereinigten Königreich. Die von Brexit-Hardlinern erzwungene Abstimmung über Mays Führungsrolle eröffnete einen neuen Schauplatz bitterer Konfrontation, statt endlich zu Lösungen zu führen. So tief ins Herz hat der Brexit die Konservativen getroffen, dass die ehedem erfolgreichste politische Kraft Europas auseinanderzubrechen droht.

Ist es ein Wunder? Während die Tory-Rechte May eines «üblen Verrats» am Brexit beschuldigt, hat Schatzkanzler Hammond die Brexiteers jetzt erstmals «Extremisten» genannt. May selbst hat ihren Anteil daran, dass es so weit gekommen ist. Sie hat der «harten Brigade», von der sie gestern Abend zum Tribunal geschleppt wurde, lang – allzu lang – ihren Willen gelassen. Ihre einzige Hoffnung sah sie am Mittwoch darin, dass die meisten Tories sich fürchten würden vor kompletter Finsternis, vor einem schwarzen politischen Loch.

Ein Auswechseln des Führungspersonals löst absolut nichts in Westminster.

Denn der Zeitpunkt, den die Rebellen für ihren Aufstand wählten, ist geradezu unglaublich. Grossbritannien treibt mit bedenklicher Geschwindigkeit auf einen unkontrollierten Brexit, einen wirtschaftlichen und konstitutionellen Abgrund zu. Eigentlich hätte man erwartet, dass in einer so brenzligen Situation alle britischen Politiker alles daransetzen würden, einen Ausweg aus der verfahrenen Lage zu finden. Stattdessen balgen sich die Tories wütend miteinander: ein Zeichen dafür, wie sehr der alte Glaubenskrieg um Europa die Konservativen im Innern zerrissen hat.

Vor allem aber, und das scheinen die Brexit-Hardliner nicht begreifen zu wollen, löst ein Wechsel des Führungspersonals absolut nichts in Westminster. Er ändert nichts an den Fakten. Auch ein Boris Johnson hätte keine Mehrheit im Unterhaus. Das nährt den Verdacht, dass es vielen der Aufständischen nur darauf ankommt, ihr Land mit allen Mitteln Richtung Abgrund zu manövrieren. Nur ein Machtwort des Parlaments rettet Grossbritannien in dieser Lage noch.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch