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Ein Souvenir an die libysche Revolution

Ein Schal, ein Hut, ein T-Shirt: Wer in Libyen Sympathie für die Rebellen zeigen will, kauft sich die dazugehörigen Fanartikel. Die Ware stammt aus China – obwohl die Libyer auf dieses Land nicht gut zu sprechen sind.

Bekennt sich zur Revolution: Aufständischer in Al-Ghiran bei Misrata.
Bekennt sich zur Revolution: Aufständischer in Al-Ghiran bei Misrata.
AFP

Den Rebellen in Libyen mögen die zum Sturz von Machthaber Muammar al-Ghadhafi nötigen Waffen fehlen, ein Mangel an Souvenirs zur Feier des Aufstands herrscht jedoch nicht. Vor dem Gerichtsgebäude in Benghazi, der inoffiziellen Hauptstadt des von Rebellen kontrollierten Ostens des Landes, bieten etwa ein Dutzend Stände eine Vielzahl von Hüten, Schals, T-Shirts, Kaffeebechern, Anstecknadeln, Schlüsselanhängern, Aufklebern, Kassetten und CDs an – alles in der rot-schwarz – grünen Farbe der Rebellenflagge.

Das Angebot entspricht dem in vielen Souvenirläden von Sportstadien oder Touristenorten in Europa. Der Kontrast zu den Kämpfen, die an anderen Orten in Libyen weiterhin erbittert geführt werden, könnte kaum grösser sein. «Ich suche etwas, das ich an meiner Kleidung anbringen kann um zu zeigen, dass ich für die Rebellen bin», sagt Omar Suleiman, ein 53-jähriger Arzt, der sich ausserdem auch nach einem Hut oder einer Flagge für seine drei Kinder umschaut.

Bevölkerung will ein Zeichen setzen

Der Strom von Kunden zeugt vom revolutionären Eifer der Bevölkerung. Viele der Betreiber der Andenkenstände sagen, sie hätten ihr Geschäft Anfang März begonnen, weniger als einen Monat nach Beginn des Aufstands Mitte Februar. «Die Leute hatten das Verlangen nach etwas, das mit der Revolution zu tun hat, um ihr Streben nach Freiheit auszudrücken», sagt Abu Bilal. Der 40-jährige Ägypter lebt in Benghazi und betreibt einen der Stände am Gerichtsgebäude.

Abu Bilal und seine Kollegen sagen, dass die meisten ihrer Artikel aus dem benachbarten Ägypten kämen. Einige Waren tragen aber die Aufschrift «Made in China» – ein sensibler Punkt, denn China hat sich im Weltsicherheitsrat dem Bestreben der internationalen Gemeinschaft verweigert, die Aufständischen mit der Einrichtung einer Flugverbotszone zu unterstützen. Peking enthielt sich der Stimme. «Ich glaube, nur die Etiketten wurden in China gemacht», sagt Abu Bilal mit Blick auf einen grossen Stapel Schlüsselanhänger mit der Rebellenflagge.

«Wir siegen oder sterben»

Die Frage nach der Herkunft der Souvenirs scheint dem Absatz keinen Abbruch zu tun. «Wir kaufen Zeug, damit Ghadhafi verschwindet», sagt der 17-jährige Student Mohammed Fusai, der mit seinem Vater und zwei Brüdern unterwegs ist. Er ersteht unter anderem einen grossen Aufkleber mit der Aufschrift «Freies Libyen», den er auf das Nummernschild des Familienautos kleben will, um dort einen Bezug auf Ghadhafis Regime zu überdecken.

Feilgeboten werden auch Aufkleber, die in Benghazi gerne auf Ein-Dinar-Noten geklebt werden, um das Abbild von Ghadhafi zu verdecken. Sie zeigen den libyschen Helden Omar Muchtar, der Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die italienischen Besatzer kämpfte und schliesslich gehängt wurde. Sein ernstes Antlitz mit weissem Bart ziert viele der Souvenirs, ebenso wie sein berühmtes Motto: «Wir werden nicht aufgeben. Wir siegen oder sterben.» Welches Schicksal die Aufständischen erwartet, ist noch offen, aber die Gewinne zumindest scheinen sicher.

dapd/miw

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