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Georgien stellt das Feuer ein

Im Konflikt um Südossetien hat die Regierung in Tiflis einen einseitigen Waffenstillstand erklärt. Georgien will mit Russland verhandeln.

Besuch bei den Truppen: Georgiens Präsident Michail Saakaschwili im Dorf Egeneti.
Besuch bei den Truppen: Georgiens Präsident Michail Saakaschwili im Dorf Egeneti.
Keystone

Auf Befehl von Präsident Michail Saakaschwili hätten die georgischen Truppen das Feuer in der Region um die südossetische Hauptstadt Zchinwali eingestellt, teilte das Aussenministerium in Tiflis mit. Georgien habe eine entsprechende Mitteilung an Russland gesandt.

Tiflis zeige mit dem Schritt seine Bereitschaft, «unverzüglich Verhandlungen mit der Russischen Föderation über eine Waffenruhe und ein Ende der Feindseligkeiten» aufzunehmen, hiess es in der Erklärung des Aussenministeriums weiter.

Russland traut Georgien nicht

Der stellvertretende russische Aussenminister Grigori Karasin sagte jedoch, die Angaben zu einem georgischen Rückzug müssten erst überprüft werden. «Wir trauen der georgischen Seite nicht», sagte der Minister.

Den dritten Tag in Folge haben russische Kampfflugzeuge Luftwaffenstützpunkte und Einrichtungen der Ölindustrie in Georgien angegriffen. Heute wurde das Bombardement auf die Umgebung von Tiflis ausgeweitet.

Russische Kampfflugzeuge bombardierten auch den Schwarzmeerhafen Poti und Ziele in der Nähe der Ölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan, die für die Versorgung von Westeuropa wichtig ist.

Mehr als 2000 Tote in Südossetien

Bei einem Angriff auf die Stadt Gori nahe der Grenze zu Südossetien wurden zahlreiche Einwohner getötet. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah zerstörte Häuser und viele Leichen, darunter auch von Frauen und Kindern.

Der stellvertretende russische Aussenminister Karasin nannte die Zahl von mehr als 2000 Toten in Südossetien seit Freitag. Flüchtlinge aus Zchinwali sagte, mehrere hundert Menschen seien ums Leben gekommen.

Mobilmachung in Abchasien

Aus der russischen Provinz Nordossetien marschierten nach Angaben der georgischen Regierung rund 6000 Soldaten in Südossetien ein. Weitere 4000 russische Soldaten sollen die Grenze nach Abchasien überschritten haben, der zweiten abtrünnigen Region in Georgien.

Die Regierung in Abchasien ordnete heute eine militärische Mobilmachung an. Sie kündigte ihre Absicht an, die georgischen Truppen aus Kodori Gorge zu vertreiben - dies ist die einzige Region in Abchasien, die noch unter georgischer Kontrolle ist. Nach Angaben der Regierung in Tiflis wurden georgische Verwaltungsgebäude in Kodori Gorge von russischen Flugzeugen bombardiert.

Ukraine warnt Russland

Unerwartete Unterstützung erhielt Georgien von der Ukraine. Die Regierung in Kiew warnte Russland davor, sie habe das Recht, die Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte an einer Rückkehr in ihre Stützpunkte zu hindern. Die russischen Kriegsschiffe haben eine Seeblockade von Georgien eingeleitet.

Der seit Jahren schwelende Konflikt eskalierte am vergangenen Freitag, als georgische Truppen versuchten, die Kontrolle über Südossetien zurückzuerlangen. Die Hauptstadt Zchinwali wurde mit Raketen und schwerer Artillerie angegriffen. Daraufhin griff Russland ein, das die meisten Einwohner von Südossetien mit russischen Pässen ausgestattet hat.

(ap/sda)

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