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8000 Tote in 48 Stunden

Mit Ratko Mladic ist ein mutmasslich Hauptverantwortlicher für das Massaker von Srebrenica gefasst. Im bosnischen Dorf starben am 11. Juli 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche.

Gilt als Hauptdenkmal für das Massaker von Srebrenica: Der Friedhof in Potocari nahe bei Srebrenica.
Gilt als Hauptdenkmal für das Massaker von Srebrenica: Der Friedhof in Potocari nahe bei Srebrenica.
Keystone
8000 wurden getötet, rund 40'000 Menschen mussten flüchten: Von niederländischen UN-Soldaten bewacht, warten die Überlebenden etwa 5 Kilometer nördlich von Srebrenica auf ihre Evakuierung. (12. Juli 1995)
8000 wurden getötet, rund 40'000 Menschen mussten flüchten: Von niederländischen UN-Soldaten bewacht, warten die Überlebenden etwa 5 Kilometer nördlich von Srebrenica auf ihre Evakuierung. (12. Juli 1995)
Reuters
Tausende unidentifizerte Leichen: Ein bosnischer Gerichtsmediziner betrachtet Leichentaschen mit rund 3500 Toten, die dem Srebrenica-Massacker zugeschrieben werden. (10. Juli 2001)
Tausende unidentifizerte Leichen: Ein bosnischer Gerichtsmediziner betrachtet Leichentaschen mit rund 3500 Toten, die dem Srebrenica-Massacker zugeschrieben werden. (10. Juli 2001)
Keystone
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Die UNO hatte 1993 Srebrenica sowie fünf weitere bosnische Orte – Gorazde, Bihac, Tuzla, Zepa und Sarajevo – zu Schutzzonen für die Muslime erklärt.

Trotzdem überrannten rund 2000 gut ausgerüstete bosnische Serben unter dem Kommando von Mladic den ostbosnischen Ort am 11. Juli 1995. Die dort zum Schutz der Bevölkerung stationierten 150 niederländischen Blauhelm-Soldaten unternahmen nichts gegen das sich anbahnende Massaker. In Erinnerung bleiben Fotos von Mladic mit dem UNO-Kommandanten Thomas Karremans mit Gläsern in der Hand.

Radovan Karadzic mitverantwortlich

Innerhalb von 48 Stunden töteten die Angreifer rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche nieder, 40'000 mussten fliehen oder wurden verschleppt.

Neben Mladic gilt der frühere politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, als Hauptverantwortlicher des Massakers. Erst im Juli 2008 wurde er enttarnt: Der Mediziner hatte unter falschem Namen in Belgrad gelebt und als Kräuterdoktor und esoterischer Heilpraktiker gearbeitet. In Den Haag muss er sich seit Oktober 2009 wegen Völkermordes vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal verantworten.

UNO räumte Mitschuld ein

Das Parlament der Republik Serbien hatte sich im März 2010 mit hauchdünner Mehrheit und einer halbherzigen Erklärung für das Verbrechen entschuldigt. Der damalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan räumte im November 1999 eine Mitschuld der internationalen Gemeinschaft an dem Massaker ein. Die UNO sei den bosnischen Muslimen auf Grund von Fehleinschätzungen nicht zu Hilfe gekommen, erklärte er.

Im Bosnienkrieg kamen zwischen 1992 und 1995 mindestens 200'000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Muslime. Der Krieg endete formal mit dem Abkommen von Dayton, das am 21. November 1995 unterzeichnet wurde. Heute liegt Srebrenica in der Republik Srpska, dem serbischen Teil Bosniens.

Mehrere Verantwortliche verurteilt

Für die Massenmorde in der bosnischen Stadt sind mehrere der Verantwortlichen schon bestraft worden. So wurde der frühere bosnisch-serbische Major Dragan Obrenovic im Dezember 2003 vom UNO-Tribunal zu 17 Jahren Haft verurteilt.

Die frühere Präsidentin der bosnischen Serben, Biljana Plavsic, wurde im gleichen Jahr vom Haager Tribunal zu elf Jahren verurteilt und kam im Oktober 2009 vorzeitig wieder frei.

Der bosnisch-serbische Armeekommandant Radislav Krstic wurde im Revisionsverfahren 2005 wegen Beihilfe zum Völkermord zu 35 Jahren Haft verurteilt. Krstic sitzt in Grossbritannien im Gefängnis.

Vor dem Urteil gestorben

Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, der ebenfalls unter anderem wegen Srebrenica angeklagt war, starb im März 2006 im UNO-Gefängnis in Den Haag – vor einem Urteil.

Der wegen Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg angeklagte frühere bosnisch-serbische General Zdravko Tolimir wurde im Mai 2007 verhaftet. Tolimir war während des Bürgerkrieges Generalstabschef der bosnisch-serbischen Armee und einer der engsten Mitarbeiter von Mladic. Der Prozess gegen ihn begann im Februar 2010.

SDA/wid

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