«Griechenland wird seine Schulden niemals zurückzahlen»

Giannis Varoufakis spricht Klartext zur Schuldensituation seines Landes. In einem Interview von Mitte 2014 wählte der heutige Finanzminister in Athen drastische Worte. Das Gespräch wurde erst jetzt ausgestrahlt.

Die Vertreter der Troika hätten sich wie drittklassige korrupte Banker verhalten: Giannis Varoufakis, hier in Brüssel. (9. März 2015)

Die Vertreter der Troika hätten sich wie drittklassige korrupte Banker verhalten: Giannis Varoufakis, hier in Brüssel. (9. März 2015)

(Bild: Keystone Geert Vanden Wijngaert)

Ein Jahr lang haben Reporter der ARD-Reihe «Die Story im Ersten» über die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds recherchiert. Zu Wort kam im Sommer 2014 auch der damalige Wirtschaftsprofessor und heutige Finanzminister Griechenlands, Giannis Varoufakis.

Heute verhandelt der Minister über eine Verlängerung und Revision der Hilfsprogramme, vor wenigen Monaten geisselte der Professor die Hilfskredite und die daran geknüpften Auflagen noch als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit». Die Rettung Griechenlands vor dem Bankrott sah er als reine Augenwischerei. Denn:

«Die klugen Leute in Brüssel, Frankfurt und Berlin wussten schon im Mai 2012, dass Griechenland niemals seine Schulden zurückzahlen wird»Varoufakis im ARD-Interview

Aber sie hätten so getan, als sei Griechenland nicht bankrott, sondern habe nur gerade nicht genug flüssige Mittel. «In dieser Lage dem insolventesten aller Staaten den grössten Kredit der Geschichte zu geben – wie drittklassige korrupte Banker –, das war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.» Die Troika habe damit Griechenland in eine Dauerverschuldung ohne Ende gezwungen.

«Griechen und Deutsche belogen»

Gleichzeitig brachten sie «eine stolze Nation gegen die andere auf», analysiert Varoufakis. Man habe deutschen Arbeitern, die sich acht Stunden am Tag abrackern und trotzdem «mehr oder minder an der Armutsgrenze» leben, erzählt, man müsse zu Hause bei den Spitälern sparen, aber man gebe nun Griechenland 110 bis 130 Milliarden Euro.

Dabei sei das Geld gar nicht an Griechenland bezahlt worden, sondern an die Banken. «Dieses Geld hat nie ein Grieche gesehen», sagt Varoufakis. «Es ging an französische und deutsche Banken.»

Schäuble: Prüfung Athens durch alle Institutionen

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Griechenland aufgefordert, die Überprüfung seiner Reformvorhaben und Haushaltslage durch alle drei Institutionen der ehemaligen Troika zu akzeptieren. «Die Institutionen machen das gemeinsam, das ist so», sagte Schäuble nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis habe dies schriftlich in der Erklärung vom 20. Februar zugesichert, die Voraussetzung für die Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms war. Schäuble reagierte damit auf Angaben, wonach Varoufakis nur Gespräche mit einzelnen Institutionen zulassen wollte.

rub

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