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«Atomic Anne» steht auf der Strasse

Eine der mächtigsten Frauen Frankreichs ist ihren Job los: Anne Lauvergeon wird von der französischen Regierung als Chefin des Atomkonzerns Areva entlassen.

Die Französische Regierung sprach ein Machtwort: Nach wochenlangen Spekulationen setzt die Regierung Anne Lauvergeon als CEO des staatsnahen Atomkonzerns Areva ab. (31. März 2011)
Die Französische Regierung sprach ein Machtwort: Nach wochenlangen Spekulationen setzt die Regierung Anne Lauvergeon als CEO des staatsnahen Atomkonzerns Areva ab. (31. März 2011)
Keystone
«Atomic Anne» war seit 1999 an der Spitze des Atomunternehmens Cogema gestanden, das später in Areva umbenannt wurde. (19. April 2011)
«Atomic Anne» war seit 1999 an der Spitze des Atomunternehmens Cogema gestanden, das später in Areva umbenannt wurde. (19. April 2011)
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Doch für ihre Zukunft muss sich Lauvergeon keine allzu grossen Sorgen machen. Die Topmanagerin ist in der französischen Energiebranche bestens vernetzt. (27. Oktober 2010)
Doch für ihre Zukunft muss sich Lauvergeon keine allzu grossen Sorgen machen. Die Topmanagerin ist in der französischen Energiebranche bestens vernetzt. (27. Oktober 2010)
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Der französische Regierungschef François Fillon gab die Neuigkeit gestern Abend in Paris den Medien bekannt: Frankreichs mächtigste Atommanagerin, Anne Lauvergeon, verliert ihren Platz an der Spitze von Areva. Wie Fillon mitteilte, wird der bisherige stellvertretende Generaldirektor Luc Oursel ihr Nachfolger als Chef des weltgrössten Atomkonzerns. Oursel war bisher für Marketing, Internationales und Projekte zuständig.

Anne Lauvergeon, die in Frankreich auch als «Atomic Anne» bekannt ist, stand seit 1999 an der Spitze des Atomunternehmens Cogema, das zwei Jahre später mit dem Unternehmen Framatome fusionierte und im neuen Konzern Areva aufging. Dass Staatschef Nicolas Sarkozy die Topmanagerin loswerden wollte, war in Paris zuletzt ein offenes Geheimnis. Sarkozy erwog unter anderem, Areva mit dem Industriekonzern Alstom zu fusionieren.

Ausserdem galt Lauvergeons Verhältnis zu Henri Proglio, dem Chef des staatlichen Stromriesen EDF, der die französischen Atomreaktoren betreibt, als äusserst gespannt. Noch im März hatte es allerdings danach ausgesehen, als würde Lauvergeon ihren Chefposten bei Areva behalten. Die Managerin, die vom amerikanischen Magazin «Forbes» einst zur mächtigsten Frau Frankreichs erkoren wurde, hatte als Krisenmanagerin während des atomaren Unfalls in Fukushima eine gute Figur abgegeben.

Eine Frau in der Machogesellschaft

Doch die Ingenieurin wird seit jeher von ihren männlichen Kollegen in den Chefetagen französischer Grosskonzerne mit Argwohn betrachtet. Frankreichs ehemaliger Finanzminister Thierry Breton beispielsweise liess seine Abneigung gegen Lauvergeon bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchblicken. Dabei hatte sie bei Areva stets ausgezeichnete Arbeit geleistet: Nach ihrem Antritt schaffte sie es mit einer Politik der Offenheit, den Konzern mit einem überdimensionierten Betriebsstab zu einem produktiven Unternehmen umzubauen.

Unter Lauvergeon stieg Areva zum weltgrössten Atomunternehmen auf. Die Firma, die sich zu 90 Prozent in französischem Staatsbesitz befindet, führt den Brennstoffkreislauf vom Uranabbau über den Transport, die Energiegewinnung und die Wiederaufarbeitung durch. Lauvergeon schaffte es, den Frauenanteil in dem männerdominierten Energiekonzern in wenigen Jahren von zehn auf zwanzig Prozent zu steigern, wie «Spiegel online» 2006 berichtete.

Wegen eines verlorenen Grossauftrags für das Golfemirat Abu Dhabi und Verzögerungen beim Bau des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Finnland musste «Atomic Anne» in den letzten Jahren jedoch vermehrt Kritik einstecken. Lauvergeon war während zwei Amtszeiten an der Spitze des staatlichen Atomriesen. Ihr gegenwärtiger Vertrag läuft Ende des Monats aus.

SDA/ssc

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