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Briten rebellieren gegen Regierung Johnson

Politiker und Experten halten es für riskant, mit Massnahmen zuzuwarten.

Johnson stösst mit der Corona-Politik auf Kritik. Foto: Getty Images
Johnson stösst mit der Corona-Politik auf Kritik. Foto: Getty Images

Die britische Regierung sieht sich einer wachsenden Rebellion gegen ihre Coronavirus-Politik gegenüber. Ärzteverbände, Wissenschaftler und Lehrer-Gewerkschaften fordern Premierminister Boris Johnson zu einer Wende auf. Sportverbände haben in Eigeninitiative grosse Turniere und Liga-Spiele abgesagt, obwohl Downing Street bisher keine Bedenken gegen weitere Grossveranstaltungen äusserte. Altersheime haben Verwandten-Besuche eingeschränkt oder verboten, nachdem das Gesundheitsministerium auch in dieser Frage schwieg.

Weder hat London bisher Geschäften und Restaurants Restriktionen auferlegt, noch hat es Schulen schliessen lassen. In einem offenen Brief drängten 245 Wissenschaftler die Regierung am Sonntag, entsprechende Massnahmen nicht länger hinauszuzögern, weil eine solche Verzögerung «Tausende von Leben» zusätzlich kosten könnte.

Besorgt haben sich auch Politiker wie der frühere Tory-Gesundheitsminister Jeremy Hunt geäussert. Oppositionspolitiker sind beunruhigt darüber, dass die Regierung «nicht gewillt» sei, dem Beispiel anderer europäischer Staaten zu folgen. Londons medizinische Fachzeitschrift «Lancet» klagte, die britische Regierung habe offenbar beschlossen, «Roulette zu spielen» mit der Gesundheit der Bevölkerung.

Die Kritik hat sich nicht zuletzt daran entzündet, dass der wissenschaftliche Top-Berater Johnsons, Sir Patrick Vallence, am Donnerstag erklärte, es sei sinnvoll, eine «Herden-Immunität» gegen das Coronavirus zu schaffen. Daraus schlossen besorgte Briten, Johnsons Team wolle zulassen, dass sich eine Mehrheit der Briten mit dem Virus infiziert, bevor die Regierung Massnahmen ergreift.

Einige Akademiker in Grossbritannien unterstützen jedoch die abwartende Haltung Hancocks und Johnsons. Sie argumentieren, je mehr Immunität sich die Nation aneigne, desto eher sei sie für weitere Coronavirus-Wellen gewappnet.

Tests nur in Spitälern

Andere Forscher wie die Unterzeichner des offenen Briefs an Johnson halten es für geradezu kriminell, sich gegen das Virus nicht sofort zu wehren. «Als ich das mit der Herden-Immunität hörte, habe ich es für reine Satire gehalten», hat Harvard-Professor William Hanage, ein führender Experte für anstreckende Krankheiten, erklärt. Scharfe Reaktionen hat auch ausgelöst, dass die Regierung Corona-Tests künftig nur noch in Spitälern vornehmen möchte.

Die sofortige Schliessung aller Bildungseinrichtungen fordert eine Petition, die es am Sonntag bereits auf eine halbe Million Unterschriften brachte. Unterdessen sind rund 200 Bürgerinitiativen gegründet worden, die Nachbarschaftshilfe anbieten wollen, wo Bedarf besteht.

Über einen «gemeinsamen Plan» verhandeln zugleich das Nationale Gesundheitswesen (NHS) und die Privat-Spitäler. «Die Privaten» sollen Betten und Personal zur Verfügung stellen, damit der seit Jahren überforderte NHS bessere Chancen hat, mit dem erwarteten Patientenansturm fertigzuwerden.

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