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Genitalverstümmelung: Britisches Gericht fällt erstmals ein Urteil

Die Frau, die ihre dreijährige Tochter beschnitten hatte, könnte nun eine Haftstrafe von bis zu 14 Jahren erwarten.

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Die Opfer leiden oft unter lebenslangen körperlichen und psychischen Folgen: Proteste in Kenia gegen die Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation). (Archiv)
Die Opfer leiden oft unter lebenslangen körperlichen und psychischen Folgen: Proteste in Kenia gegen die Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation). (Archiv)
Sayyid Azim, Keystone

Ein Gericht hat zum ersten Mal in Grossbritannien eine Verurteilung wegen weiblicher Genitalverstümmelung ausgesprochen. Eine Frau aus Uganda wurde am Freitag schuldig befunden, 2017 ihre damals drei Jahre alte Tochter an ihren Geschlechtsorganen verstümmelt zu haben.

Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA aus dem Gerichtssaal am Strafgerichtshof Old Bailey in London. Die Frau erwartet der BBC zufolge nun eine Haftstrafe von bis zu 14 Jahren. Das Strafmass soll am 8. März verkündet werden.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan bezeichnete den Schuldspruch als Meilenstein. Das Urteil sende «eine klare Botschaft, dass wer diese barbarische Praxis ausübt, nicht länger ungestraft bleibt», twitterte Khan.

Die 37-jährige Frau hatte behauptet, ihre Tochter habe sich die Verletzungen bei einem Sturz selbst zugezogen. Sie hatte versucht, mit bizarren Zauberritualen Polizei und Sozialarbeiter von Ermittlungen abzuhalten.

Unter anderem wurden in ihrer Wohnung mit Draht umwickelte Rinderzungen sowie Zettel mit den Namen von Ermittlern und deren Bilder gefunden, die in gefrorenem Obst oder einem Einmachglas mit Pfeffer verborgen waren.

Obwohl weibliche Genitalverstümmelung bereits seit 1985 in Grossbritannien unter Strafe steht, gab es bislang nur eine Hand voll Anklagen. Keine führte bislang zur Verurteilung.

Bei der archaischen Prozedur werden je nach Tradition die äusseren Geschlechtsorgane von jungen Mädchen teilweise oder ganz abgeschnitten, meist ohne Betäubung und mit nicht sterilen Gegenständen wie etwa Rasierklingen oder Glasscherben. Die Opfer leiden oft unter lebenslangen körperlichen und psychischen Folgen.

FGM in der Schweiz

2013 schätzte das Bundesamtes für Gesundheit, dass 15'000 Frauen und Mädchen in der Schweiz leben, die entweder betroffen sind oder gefährdet sind, verstümmelt zu werden.

Hierzulande ist die Genitalverstümmelung verboten. Bis 2012 fiel FGM als einfache oder schwere Körperverletzung unter Art. 122 oder 123 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB). Seit 2012 gibt es mit Art.124 einen expliziten Strafartikel zu FGM. Nach Artikel 124 StGb macht sich strafbar, «wer die Genitalien einer weiblichen Person verstümmelt, in ihrer natürlichen Funktion erheblich und dauerhaft beeinträchtigt oder in anderer Weise schädigt». Täter oder Täterinnen droht eine bis zu 10-jährige Freiheitsstrafe.

(SDA)

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