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Das stundenlange Verhör der Infantin

Zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens stand eine Verwandte des Monarchs vor Gericht: Die Königstochter Cristina wurde sieben Stunden lang zu den Korruptionsvorwürfen gegen ihren Ehemann befragt.

Wurde vom Richter erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder entlassen: Infantin Cristina vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca. (8. Februar 2014)
Wurde vom Richter erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder entlassen: Infantin Cristina vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca. (8. Februar 2014)

Als erstes Mitglied der spanischen Monarchie ist die Königstochter Cristina als Beschuldigte in einer Korruptionsaffäre vernommen worden. Bei der Befragung stritt die Infantin im Landgericht von Palma de Mallorca nach Angaben von Justizkreisen jede wissentliche Beteiligung an illegalen Geschäften ab.

Die 48-Jährige soll in den Finanzskandal um ihren 46-jährigen Ehemann, Ex-Handballstar Iñaki Urdangarin, verwickelt sein. Ermittlungsrichter José Castro, der die Befragung am Samstag leitete, wirft ihr Steuerbetrug und Geldwäscherei vor.

«Das Justizsystem funktioniert»

Nach sieben Stunden Vernehmung verliess die jüngste Tochter von König Juan Carlos das Gericht und fuhr in einem Auto davon. «Das Justizsystem funktioniert», sagte ihr Anwalt Miquel Roca beim Verlassen des Gebäudes. «Vor dem Gesetz sind alle gleich – und die Infantin hat es bewiesen.» Ein weiterer Anwalt Cristinas sagte, das Verhör habe die Unschuld der Königstochter gezeigt.

«95 Prozent ihrer Antworten sind ausweichend», sagte der Anwalt Manuel Delgado, der die linke Gruppe Frente Civico vertritt. «Sie versucht, die Fakten, die sie kompromittieren könnten, nicht anzuerkennen.»

Sie habe versichert, dass sie «Vertrauen» in ihren Mann gehabt habe. Ansonsten habe sie gesagt, dass sie nicht Bescheid wisse und dass sich ihr Mann um diese Angelegenheiten kümmerte.

Mehr als fünf Millionen abgezweigt

Cristinas Ehemann steht im Verdacht, zwischen 2003 und 2006 als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos mehr als fünf Millionen Euro staatlicher Mittel in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben.

Als Teilhaberin eines mit ihrem Mann gemeinsam betriebenen Zweig-Unternehmens von Nóos, das als Strohfirma fungiert haben soll, soll die Infantin, Nummer sieben in der spanischen Thronfolge, echte und fiktive Privatausgaben als Firmenkosten deklariert haben.

Protest der Monarchie-Gegner

Dutzende Monarchie-Gegner hatten sich bereits am frühen Vormittag vor dem Gerichtsgebäude in Palma versammelt. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie «Gerechtigkeit!» und «Weg mit der Krone». Vor einem grossen Polizeiaufgebot von rund 300 Einsatzkräften und mehr als 400 Journalisten aus aller Welt forderten sie das Ende der Monarchie.

Die Anhörung der Königstochter in der Korruptionsaffäre um ihren Ehemann ist ein schwerer Schlag für das Ansehen der spanischen Monarchie. König Juan Carlos erwarb sich Respekt durch seine Rolle bei der Umwandlung Spaniens in eine Demokratie nach dem Tod des Diktators Francisco Franco 1975.

Zuletzt litt das Ansehen des Monarchen aber. Neben der Affäre um Urdangarin sorgte auch eine luxuriöse Elefantenjagd 2012 inmitten der Rezession für Negativschlagzeilen. Inzwischen sind Umfragen zufolge 62 Prozent der Spanier dafür, dass er abdankt.

(SDA)

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