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Der Balkon-Marathon-Mann

Der Franzose Elisha Nochomovitz rannte 42,2 Kilometer – auf seinem Balkon.

Will zeigen, dass es auch zu Hause Wege gibt, seinen Körper fit zu halten: Elisha Nochomovitz. Foto: PD
Will zeigen, dass es auch zu Hause Wege gibt, seinen Körper fit zu halten: Elisha Nochomovitz. Foto: PD

Verrückte Zeiten brauchen verrückte Ideen. Das dachte sich auch Elisha Nochomovitz, er wollte unbedingt eine eigene beitragen. Also zog er eines Morgens eine kurze Hose an, streifte sich ein Sport-Shirt über, stieg in die Turnschuhe, montierte Stulpen, rannte los und lief einen Marathon. Auf seinem Balkon.

Rund 6000-mal rannte er hin und zurück, er schaffte die 42,2 Kilometer in sechs Stunden und 48 Minuten. Ein Foto auf Instagram zeigt Nochomovitz nach dem Marathon mit erhobenen Armen, geballten Fäusten und einer Medaille zwischen den Zähnen – er ist als Sieger aus seiner verrückten Challenge hervorgegangen. Eine Botschaft für alle Französinnen und Franzosen, die wie er von der Ausgangssperre im Land betroffen sind, hat er auch: Es gibt keinen Grund, den Humor und die Fitness zu verlieren!

Nochomovitz wohnt in einem Vorort von Toulouse, er besitzt einen sieben auf einen Meter grossen Balkon mit grünem Teppich, in seiner Freizeit nimmt er an Marathonläufen überall auf der Welt teil. Wo er arbeitet, wird nicht klar, er schreibt nur, dass seine Arbeit zurzeit als nutzlos angesehen werde. Er mache jetzt Sport, um den Mut nicht zu verlieren.

Nochomovitz dürfte zwar seine Wohnung verlassen und draussen um den Wohnblock joggen. Aber wenn das alle machen würden, erklärt er auf seinem Instagram-Profil, würden ständig zahlreiche Menschen draussen sein. Die Vorschrift der Regierung laute, daheim zu bleiben: «Und das ist, was ich mache. Ich will euch zeigen, dass es keine Ausreden gibt.» Es gebe auch zu Hause Wege, seinen Körper fit zu halten. Nur sind die Wege halt etwas kürzer.

«Ich ging um die Welt, ohne mich von meinem Balkon zu rühren!»

Elisha Nochomovitz

Nochomovitz ruft seine Community auf, an all die Personen zu denken, die jetzt an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpfen. Die Leute in den Spitälern seien Helden. Dann ergänzt er, dass er diese Zeilen kurz nach dem Run geschrieben habe – in seinem Kopf drehe sich noch alles, und ihm sei speiübel.

Während des Laufs sorgte Nochomovitz’ Freundin dafür, dass er genug zu trinken hatte und fütterte ihn mit M&Ms. Beim Rennen dachte er an seine Nachbarn und hoffte, sie würden für seine Challenge Verständnis haben. Er stellte sich vor, was alles noch geschehen könnte, jetzt, da die Welt gestoppt hatte und mit ihr die Wirtschaft, all die gesellschaftlichen und sportlichen Anlässe, das Leben überhaupt. Nochomovitz rannte und rannte, bis er irgendwann an nichts mehr dachte. Eine innere Freiheit, wie sie wohl nur ein Körper in Bewegung hervorrufen kann.

Die Aktion des «Marathon Man» auf dem «Marathon Balcony» hat international viel Aufmerksamkeit bekommen. Über Skype, Whatsapp, Facebook und Twitter hat Nochomovitz Anfragen beantwortet und Interviews gegeben: «Ich ging um die Welt, ohne mich von meinem Balkon zu rühren!» Jetzt warte er noch auf den französischen Präsidenten.

Manchmal kann eine verrückte Idee verhindern, dass man in einer verrückten Zeit selbst verrückt wird. Und sei es, wie Elisha Nochomovitz auf engstem Raum im Kreis zu rennen, stundenlang.

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