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Deutsche Fluglotsen kündigen Streik an

Die Gewerkschaft setzt im Tarifstreit auf Kampfmassnahmen. Am Donnerstag wollen die Lotsen für sechs Stunden die Arbeit niederlegen. Die Arbeitgeber bleiben nicht tatenlos.

Bis zu 2500 Flüge könnten vom Streik betroffen sein: Fluglotse auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn. (Archivbild)
Bis zu 2500 Flüge könnten vom Streik betroffen sein: Fluglotse auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn. (Archivbild)
Keystone

Der Tarifkonflikt bei den deutschen Fluglotsen eskaliert. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kündigte heute einen ersten Streik noch in dieser Woche an. Ihr Vorstand wies in Frankfurt am Main das jüngste Angebot der Deutschen Flugsicherung (DFS) als nicht akzeptabel zurück. Die tariflich beschäftigten Mitarbeiter sollten daher am Donnerstag an allen Standorten von 6.00 bis 12.00 Uhr die Arbeit niederlegen. In einer Urabstimmung hatten sich zuvor 95,8 Prozent der Stimmberechtigten für Streiks ausgesprochen.

Die Arbeitgeber wollen juristisch gegen die für Donnerstag angekündigten Arbeitsniederlegungen vorgehen. DFS-Personalchef Jens Bergmann kündigte einen Antrag auf einstweilige Verfügung an.

Forderungen rechtswidrig

Betroffen von den Streiks sollen laut GdF bis zu 2500 Flugbewegungen an allen deutschen Standorten sein. Ausgenommen seien nur Rettungsflüge, Flüge der Streitkräfte und Regierungsflüge.

Die Arbeitgeber hoffen dagegen auf einen Erfolg vor Gericht. Sie sind laut Bergmann der festen Überzeugung, dass die Forderungen der Gewerkschaft teilweise rechtswidrig seien. Er nannte Alter und Unternehmenszugehörigkeit als Kriterien für Vergütung und Beförderung als Beispiele.

Einer möglichen Anrufung der Schlichtung, die eine sofortige Friedenspflicht zur Folge hätte, erteilte Bergmann eine Absage. Eine Schlichtung die auf falschen Grundlagen beruhe, «ist kein Weg, den wir gehen wollen». Es müsse vorher geklärt werden, welche Elemente rechtlich einwandfrei seien und welche nicht. Bergmann verwies darauf, dass der Weg der Schlichtung auch der Gewerkschaft offen stehe.

Angebot nicht verhandelbar

GdF-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang sagte schon vor der Reaktion der DFS, es sei mittlerweile schlechte Tradition geworden, dass Arbeitgeber zum Mittel der einstweiligen Verfügung griffen. «Wir werden sehen, was die Gerichte machen.» Das jüngste Angebot der DFS bezeichnete die Gewerkschaft als nicht verhandelbar.

Zu mehreren der Forderungen liege überhaupt kein Angebot der Arbeitgeber vor, hiess es. Zudem enthalte es selbst etwa Forderungen, die gar nicht Gegenstand der laufenden Tarifrunde seien. Insbesondere werfen die Gewerkschaftler der DFS vor, die jährlichen Überstunden aufgenommen zu haben.

Mehrere Knackpunkte

Der im Vorstand der Gewerkschaft für Tarifpolitik zuständige Markus Siebers sagte, es gebe mehrere Knackpunkte. Es gehe um strukturelle Fragen und auch darum, dass die GdF für ein verbessertes Angebot der DFS keine Vorbedingungen wie Überstunden akzeptiere. Der GdF-Bundesvorsitzende Michael Schäfer sagte, das Angebot bilde nicht annähernd eine Basis, um neue Verhandlungen zu führen.

In dem Tarifkonflikt geht es nicht nur um die Vergütung. Beide Seiten ringen auch um Arbeitsbedingungen oder die Eingruppierung von Mitarbeitern. Die GdF fordert für ihre bundesweit rund 5500 Mitarbeiter 6,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die DFS bietet nach eigenen Angaben ab 1. August 2011 eine Erhöhung um 3,2 Prozent sowie weitere 2,0 Prozent oder mindestens den Inflationsausgleich ab dem 1. November 2012.

dapd/kpn, miw

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