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Die blutrünstige Seite von Timoschenko

«Ich bin bereit, dem Bastard in den Kopf zu schiessen»: Ein Telefonmitschnitt bringt Juljia Timoschenko in Bedrängnis.

Nachdem sie aus der Haft entlassen wurde, schreckt Juljia Timoschenko nicht vor klaren Aussagen zurück. Besonders dann, wenn sie sich mit Vertrauten am Telefon unterhält. Die ehemalige Regierungschefin der Ukraine führte am 18. März ein Gespräch mit Nestor Schurfritsch, dem stellvertretenden Chef des ukrainischen Sicherheitsrates – kurz nachdem Russland die Halbinsel Krim offiziell annektiert hatte.

Durch einen im Internet veröffentlichten Mitschnitt wurde das Gespräch nun öffentlich gemacht. Mit markigen Worten wetterte Timoschenko über den russischen Präsidenten Wladimir Putin: «Ich bin bereit, eine Maschinenpistole zu nehmen und diesem Bastard in den Kopf zu schiessen.» Auf die Frage von Schurfritsch, was denn nun mit den acht Millionen Russen geschehen soll, die auf ukrainischem Boden leben, erwiderte Timoschenko: «Verdammt, man müsste mit Atomwaffen auf sie schiessen ...»

Die Kreml-Kritikerin gerät nun in Erklärungsnot. Inzwischen bestätigte sie, dass es ein solches Telefonat gab, und entschuldigte sich auf Twitter für ihre Wortwahl. Timoschenko bestritt allerdings, dass die Aussage mit den Atomwaffen von ihr sei – das Gespräch sei «manipuliert» worden.

Auch bei öffentlichen Auftritten sparte Timoschenko bisher nicht mit Kritik: Russlands Präsident Wladimir Putin habe «die Ukraine für immer verloren, nachdem er uns den Krieg erklärt hat», sagte die Politikerin bei ihrem ersten grossen Fernsehauftritt seit ihrer Entlassung aus jahrelanger Haft. «Putin ist der Staatsfeind Nummer eins der Ukraine, der unser Territorium mit Waffengewalt eingenommen hat», sagte Timoschenko in der live ausgestrahlten Polit-Talkshow.

Sollte Russland die «Rote Linie» überschreiten und Truppen auf das ukrainische Festland schicken, müssten ihre Landsleute bereit zum Widerstand sein. «Wir werden kämpfen», kündigte Timoschenko für den Ernstfall an. Auf lange Sicht werde die Krim wieder zur Ukraine gehören. Putin bezeichnete sie in der mehrstündigen Sendung als «Diktator mit faschistischen Zügen».

Im Gefängnis erkrankt

Die proeuropäische Politikerin, die in der Ukraine ebenso beliebt wie umstritten ist, war 2010 bei der Präsidentschaftswahl ihrem prorussischen Rivalen Wiktor Janukowitsch unterlegen. Nach dessen Amtsantritt war sie festgenommen und wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Im Gefängnis erkrankte die Politikerin an einem schweren Rückenleiden.

Die EU machte ihre Freilassung und Behandlung zur Bedingung für die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine. Diesem verweigerte Janukowitsch die Unterschrift, woraufhin sich eine Protestwelle erhob, die ihn letztlich das Amt kostete.

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