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Die Frauen haben genug von Berlusconi

Ausgerechnet die Frauen, die er doch so liebt, zeigen ihm ihre Verachtung: Hunderttausende Italienerinnen gingen heute gegen ihren Premier auf die Strasse – teilweise mit originellen Plakaten.

In Italien haben am Sonntag Hunderttausende Frauen ihren Ärger über den Sex-Skandal um Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Strasse getragen In Städten wie Neapel und Palermo skandierten die Frauen «Italien ist kein Bordell» und forderten Berlusconi auf Transparenten zum Rücktritt auf.

Angeführt von Schauspielerinnen, Politikerinnen und anderen prominenten Italienerinnen gingen Frauen in 230 Städten des Landes auf die Strasse - neben rund 30 Städten im Ausland. Unterstützt wurden die Demonstrantinnen auch von Männern.

Die Frauen wandten sich vor allem gegen das Bild, das in den Medien und in der Politik von Frauen vermittelt wird, und verlangen ein Ende von Diskriminierungen. Berlusconi verletze ihre Würde.

In Neapel berichteten die Organisatoren von 100'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, in Palermo von 10'000. Zehntausende wurden ebenso verzeichnet in Messina, Triest, Bologna, Florenz, Catania, Cosenza, Pesaro, Bari, Pescara. Tausende Demonstrantinnen und Demonstranten in mehreren sardischen Städten schlossen sich nach Angaben der Organisatoren ebenfalls dem Aufruf an.

Flash-Mobs und Lesungen

Im Laufe des Tages wurden in zahlreichen Städten, darunter auch der Hauptstadt Rom, Demonstrationen, Lesungen und sogenannte Flash-Mobs gegen das von der Politik und den Medien vermittelte Frauenbild organisiert.

Auch im Ausland gab es Proteste: In Paris waren rund 1000 Protestierende dem Aufruf gefolgt. Vor dem italienischen Kulturzentrum in Tokio demonstrierten am Sonntag rund hundert Menschen.

Erhöhter Druck auf Berlusconi

Mit den Protesten erhöht sich der innenpolitische Druck auf den 74-jährigen Regierungschef, der wegen des Vorwurfs, eine Minderjährige für Sex bezahlt zu haben, in Kürze vor Gericht gestellt werden könnte. Berlusconi hat stets betont, nichts Rechtwidriges getan zu haben.

Die Organisatorinnen der jüngsten Proteste werfen Berlusconi jedoch vor, die Würde der Frauen verletzt zu haben. Zudem lasse Berlusconis Verhalten längst überholte Vorurteile über das Verhältnis von Frauen und Männern wieder aufleben. Sie kritisieren zudem die Darstellung von Frauen als Sex-Objekte, die mit der Berichterstattung über Berlusconi einhergehe.

«Ich bin nicht hier, um Porno-Feste zu kritisieren», erklärte etwa seine einstige Parteigenossin, Giulia Bongiorno, in Rom. «Ich kritisiere viel mehr die leitende Klasse, die solche Feste zum herrschenden System macht». Niemand dürfe schweigen in einer solchen Situation.

Diskriminierung auf Arbeitsmarkt

Die landesweiten Proteste standen unter dem Motto «Wenn nicht jetzt - wann dann?». Zu den Protesten hat eine unabhängige Frauenbewegung im Internet aufgerufen, die von namhaften Persönlichkeiten unterstützt wird.

Die Schauspieler-Schwestern Francesca und Cristina Comencini, die zu den Mitiniatorinnen zählen, kritisieren die Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund fehlender Krippenplätze und mangelnder Teilzeitangebote. Weder die Rechts- noch Links- orientierte Regierungen hätten je etwas dagegen unternommen.

Anhänger Berlusconis sehen in den Demonstrationen allerdings eine vom linken Lager gegen den Regierungschef initiierten Kampagne.

SDA/oku

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