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Die gefährlichste Zeitbombe tickt nicht in Athen

Italien drohen nach offiziellen Angaben grössere Risiken durch komplexe Finanzinstrumente als dem krisengeplagten Griechenland. Vor Gericht muss sich in Mailand auch die UBS verantworten.

Kolossale Probleme: Italien.
Kolossale Probleme: Italien.

«Es gibt ein enormes und konkretes Problem in Italien», warnte Staatsanwalt Alfredo Robledo am Mittwoch zum Auftakt eines Prozesses in Mailand gegen vier Banken, darunter die UBS. Italienische Städte, Provinzen und Regionen hielten Derivate in ihren Büchern, die ihnen früher oder später um die Ohren fliegen würden. «Italien ist daher stärker in Gefahr als Griechenland.» Nach Angaben der italienischen Zentralbank drohen kleineren und grösseren Städten des Landes wegen riskanter Zinsgeschäfte Abschreibungen von 2,5 Milliarden Euro.

Die UBS, die Deutsche Bank, die HRE-Tochter Depfa und JPMorgan müssen sich vor dem Mailänder Gericht wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Täuschung beim Verkauf komplexer Wertpapiere verantworten. Mit diesen Papieren wollte die Stadt Mailand die Zinslast auf ihre Schulden reduzieren. Der Fall geht in das Jahr 2005 zurück, als die Kommune eine Anleihe über 1,68 Milliarden Euro begab. Angeklagt sind auch elf Mitarbeiter der Banken und zwei frühere Kommunalbeamte.

Bank verklagt

Mailand argumentiert, der Stadt drohten durch Falschberatung im Zusammenhang mit dem Papier nun hohe Verluste aus diesen Zinswetten. Sie verklagt die Banken deshalb auch auf Schadenersatz von 239 Millionen Euro. Alle vier Institute weisen die Vorwürfe zurück. Ein Urteil könnte Signalwirkung für Hunderte italienische Städte haben, die sich ebenfalls mit solchen Derivaten verspekuliert haben.

Mit den fraglichen Papieren, so genannten Swaps, wetten Firmen und Kommunen auf die künftige Zinsentwicklung. In Deutschland streitet sich die Deutsche Bank bereits mit Dutzenden von Mittelständlern, Gemeinden und kommunalen Firmen über solche Geschäfte. Die bisherigen Urteile gehen in verschiedene Richtungen.

SDA/sam

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