Zum Hauptinhalt springen

Die Türkei gründet eine Tierpolizei

Streunende Katzen und Hunde gehören in Istanbul zum Strassenbild. Die Regierung will sie jetzt besser vor Tierquälerei schützen.

Eine ältere Dame füttert im Instanbuler Quartier Tophane eine streunende Katze. Foto: dpa
Eine ältere Dame füttert im Instanbuler Quartier Tophane eine streunende Katze. Foto: dpa

Ein Häuschen ist blau, das andere hat ein rosa Dach, auf dem dritten steht: Kedi Evi, Katzenhaus. Katzen haben ja angeblich sieben Leben, wer Istanbul kennt, kann den Tieren nur raten, eines davon in der Stadt am Bosporus zu verbringen. Dort stellt man Katzenhütten auf Gehsteige und in Grünanlagen. Anwohner bauen diese Katzenvillen, oft ausgestattet mit Decke und Napf, auch die Stadtverwaltung tut es. Immer liegt irgendwo Futter für die Heerscharen auf vier Beinen. Es gibt Film-Epen über die Katzen von Istanbul, Gedichte, Lieder – sie sind stets präsente Mitbewohner in der Sechzehn-Millionen-Metropole. Erstaunlich gut kommen sie auch mit den Strassenhunden aus, die ebenfalls sehr zahlreich sind und vom vielen Gefüttertwerden meist recht faul herumliegen.

Tierquäler aufspüren

Angeblich hat der Prophet Mohammed eine Katze auf seinem Mantelsaum geduldet. Aber die Katzenliebe der Istanbuler ist unabhängig von Religion, Alter und Herkunft. Man könnte also glauben, den Tieren gehe es in der Türkei niemals schlecht. Das stimmt aber nicht. Deshalb soll es nun bald eine Tierpolizei geben, gerade wurde das Gesetz dazu beschlossen. Die Polizei soll Tierquäler aufspüren, die künftig weit härter bestraft werden können als bisher.

Jahrelang wurde über eine solche Gesetzesverschärfung diskutiert. Den letzten Anstoss gaben soziale Medien, in denen drastische Beispiele für die Misshandlung von Katzen und Hunden kursieren: Hunde, denen jemand Pfoten und Schwanz abgeschnitten hat; eine mit Klebeband umwickelte Katze; Katzen mit abgeschnittenen Ohren. Bislang drohten den Tätern Geldbussen, Tiere galten als «Sachen». Künftig können in Extremfällen Gefängnisstrafen verhängt werden.

In osmanischen Zeiten galten die wilden Hunde in Istanbul teils als Plage, teil als pittoreske Zutat.

Aufgehoben wird auch das Verbot, Tiere in Wohnungen zu halten, das schon lange nicht mehr generell beachtet wird. Hunde gelten strengen Muslimen als «unrein», sie wollen sie nicht im Haus haben. Säkulare Türken dagegen halten sich alles, was Hundezüchter zu bieten haben: Rassehunde, Kampfhunde, Mischlinge. Das Gesetz soll unterscheiden zwischen Haustieren, Stadttieren und Wildtieren. Am Istanbuler Galata-Turm, der eine der Hauptattraktionen für Touristen ist, hängt schon ein grosses Plakat: Darauf steht, dass der Platz vor dem Turm auch den Strassentieren gehört, also Hund und Katz, und zwar nach Gesetz Nummer 5199. Weshalb man das Füttern nicht behindern darf und den Tieren auch sonst nichts Böses tun soll.

Viele Hunde tragen schon einen Knopf im Ohr, als Zeichen dafür, dass sie sterilisiert und geimpft sind. Künftig soll das generell geschehen, die Kommunen sind dafür zuständig. Sie sollen durch einen «Tierfonds» unterstützt werden, in den ein Teil der Immobiliensteuer fliesst, so schreiben türkische Medien.

Schon in osmanischen Zeiten waren die wilden Hunde in Istanbul sehr zahlreich, sie galten teils als Plage, teil als pittoreske Zutat. Fremden jagten sie oft einen Schrecken ein, waren die meisten doch recht gross. Das sind sie heute noch, und Jogger in Istanbuler Parks berichten auch von unangenehmen Begegnungen, ja Bissen, besonders wenn die Hunde in Rudeln auftreten.

Beliebte Instagram-Kulisse

Schon im Vorgriff auf das neue Gesetz – und nach jahrelangen Protesten – wurden jetzt auf den Istanbuler Prinzeninseln die nostalgischen Pferdekutschen abgeschafft. Die gehörten auch zum Stadtbild, die Inseln im Marmarameer sind autofrei. Ende vergangenen Jahres waren auf der grössten Insel viele Tiere an einer hochansteckenden Pferdeseuche erkrankt, es wurde eine Quarantäne verhängt. Danach hat die Stadtverwaltung beschlossen, den Kutschern ihre Pferde und die Lizenzen abzukaufen, künftig soll es nur noch Elektrodroschken geben.

Die türkischen Tierschützer freuten sich, sie hatten immer wieder beklagt, dass viele Pferde schlecht versorgt würden, es an tiermedizinischer Betreuung fehle. Einige Kutscher protestierten, auch gegen den Vorwurf, alle hätten ihre Pferde schlecht behandelt. Die Zahl der Tiere war zuletzt allein auf der grössten Insel auf etwa 1400 gestiegen, weil immer mehr Touristen auf die Inseln kommen. Die sind mit ihren weissen alten Villen und Gärten voller blühender Bougainvilleen eine beliebte Instagram-Kulisse.

Die eigentlichen Stars aber bleiben Istanbuls Katzen. Für die gibt es auch eigene Strassenschilder. Darauf ein schwarzer Schattenriss und die Warnung: Achtung! Freilaufende Katze!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch