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«Die Wähler sind unerbittlich»

Hollande zeigt sich reuig: Er habe Fehler gemacht und seine Versprechen nicht eingehalten, sagt der französische Präsident in einem grossen TV-Interview.

«Die Wähler sind unerbittlich»: Der französische Präsident François Hollande vor dem Elysée-Palast. (30. Oktober 2014)
«Die Wähler sind unerbittlich»: Der französische Präsident François Hollande vor dem Elysée-Palast. (30. Oktober 2014)
Thibault Camus, Keystone

Zur Hälfte seiner Amtszeit und angesichts verheerender Umfragewerte hat Frankreichs Präsident François Hollande «Fehler» eingeräumt. Er werfe sich vor, dass er die Senkung der Arbeitslosigkeit für 2013 versprochen habe, was nicht eingetreten sei, sagte Hollande. Dadurch habe er bei vielen Franzosen «Hoffnung» geweckt.

Der Sozialist bekräftigte aber sein Ziel des Abbaus der Arbeitslosigkeit und dass er im Falle eines Scheiterns nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren werde: «Wenn ich das nicht am Ende meiner Amtszeit erreiche, denken Sie, dass ich vor die Franzosen treten würde?» Die Wähler würden «unerbittlich» sein - «und sie hätten Recht», sagte Hollande.

In die Defensive gedrängt

Der Staatschef machte zugleich deutlich, dass er an seinem auch im eigenen Lager umstrittenen Reformkurs festhalten werde: «Ich werde in den zweieinhalb Jahren, die mir bleiben, mein Land bis zum Ende reformieren», versicherte er. Vor allem der linke Flügel der Sozialisten wirft ihm einen zu unternehmerfreundlichen Kurs vor.

Es gebe aber eben nicht nur Probleme, betonte Hollande, und warnte vor einer ständigen «Verunglimpfung» Frankreichs und «systematischen Attacken» gegen das Land. Sein Ziel sei es, dass Frankreich wieder an die Spitze komme. Zusätzliche Massnahmen kündigte er kaum an. Den Franzosen versprach er aber, dass es ab 2015 keine zusätzliche Steuerlast geben werde.

In seinem ersten grossen Live-Fernsehinterview seit März 2013, bei dem er in den Sendern TF1 und RTL auch vier Bürgern rund eineinhalb Stunden lang Rede und Antwort stand, wirkte der Staatschef über weite Strecken in die Defensive gedrängt. Hollande musste sich für die Rekord-Arbeitslosigkeit, das schwache Wachstum und die schlechte Stimmung im Land rechtfertigen.

Umfragewerte im Keller

Hollande kämpft seit seiner Wahl zum Präsidenten am 6. Mai 2012 gegen eine stetig steigende Arbeitslosigkeit, ein schwaches Wachstum und eine zu hohe Staatsverschuldung an. Trotz Reformen und schmerzhaften Sparanstrengungen blieben Erfolge bisher aus.

Nach jüngsten Umfragen urteilen lediglich 13 Prozent der Franzosen positiv über die Bilanz Hollandes zur Hälfte seiner Amtszeit. Mehr als acht von zehn Franzosen wollen nicht, dass er 2017 noch einmal als Präsidentschaftskandidat antritt.

Zwei Umfragen vom Donnerstag fallen kaum besser für den Sozialisten aus: Laut dem Institut CSA sind 67 Prozent der Franzosen der Ansicht, dass seine Wirtschaftspolitik «ziemlich negative» oder «sehr negative» Auswirkungen hatte. In einer YouGov-Umfrage schlug er erneut alle Rekorde der Unpopularität mit nur noch 12 Prozent Zustimmung im November. Bei anderen Umfragen der Tage zuvor war er zwischen 14 und 20 Prozent gelandet.

Kritik ist Hollande nicht egal

Hollande räumte ein, dass ihm die Kritik an seiner Person nicht gleichgültig sei. Er lehne aber «Pöbelei» ab. So verwahrte er sich gegen den Vorwurf, er esse Pommes oder gehe nur in Restaurants und nicht in einfache Bistros. «Ich bin ich selbst», sagte er.

Auch ein «Eindringen» in sein Privatleben kritisierte Hollande erneut. Der Präsident hatte sich dieses Jahr nach der Enthüllung einer Liebesaffäre von seiner langjährigen Lebensgefährtin getrennt. Nicht nur in Frankreich, auch ausserhalb der Landesgrenzen hatten internationale Medien ausführlich darüber berichtet.

AFP/thu

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