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Ein Cavaliere zwischen politischen Ränkespielen und wilden Sexpartys

Silvio Berlusconi ist die schillerndste Person in der europäischen Politik. Im Bau- und Mediengeschäft brachte er es zeitweise bis zum reichsten Mann Italiens, als Politiker prägt er das Land seit über 15 Jahren.

Ein begnadeter Selbstdarsteller: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.
Ein begnadeter Selbstdarsteller: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.
Keystone

Am Donnerstag feiert Silvio Berlusconi seinen 75. Geburtstag - an einen Rückzug aus der Politik denkt der Senior jedoch offenbar nicht. In den vergangenen Monaten machte der italienische Ministerpräsident weniger mit politischen Initiativen Schlagzeilen, sondern vielmehr mit jugendlichen Geliebten und wilden Partys.

Offenbar liess er sich für seine Feiern junge Frauen von einem Geschäftsmann aus Bari zuführen. Die mutmasslichen Prostituierten sollen sogar in Regierungsflugzeugen zu den Partys geflogen sein.

In abgehörten Telefongesprächen zwischen Berlusconi und dem vorübergehend festgenommenen Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini prahlt der Regierungschef mit seiner Manneskraft. So habe er damit angeben, dass elf Frauen vor seinem Zimmer Schlange gestanden hätten. Er habe aber nur mit acht von ihnen geschlafen, weil «du es nicht mit allen treiben kannst».

Begnadeter Selbstdarsteller

Berlusconi gilt als begnadeter Selbstdarsteller, der sich für sein jugendliches Image mehreren Schönheitsoperationen unterzog und eine Haarverpflanzung durchführen liess. Sein Jurastudium finanzierte er sich als Sänger und Pianist auf Kreuzfahrtschiffen. Noch vor seinem Abschluss 1959 wurde Berlusconi Geschäftsführer eines Mailänder Bauunternehmens und etablierte sich schnell als Investor zukunftsweisender Wohn- und Geschäftskomplexe um Mailand.

In den 70er Jahren war Berlusconi massgeblich am Aufbau des Privatfernsehens in Italien beteiligt und vereinte Mitte der 80er Jahre fast zwei Drittel der TV-Werbung Italiens in seiner Senderfamilie. Über die Holdings Fininvest und Mediaset ist Berlusconi an Filmproduktionsgesellschaften und Videotheken, Verlagen und Sportvereinen beteiligt. Von 1986 bis 2004 war er Präsident des Fussballvereins AC Milan.

Mit der Gründung seiner Partei Forza Italia (FI) trat Berlusconi 1994 in die Politik ein. Bei den Wahlen im März 1994 wurde die FI mit 21,5 Prozent auf Anhieb stärkste Partei, Berlusconi konnte seine Regierung allerdings nur bis Dezember behaupten.

Mit einem stabileren Mitte-rechts-Bündnisses gewann er zwischen 1996 und 2001 sämtliche Kommunal- und Regionalwahlen. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2001 sicherte sich Berlusconis neues Bündnis Casa delle Libertà die absolute Mehrheit. Die FI wurde mit Abstand stärkste Partei, Berlusconi hatte das Amt des Regierungschefs bis 2006 inne.

Im Dauerclinch mit der Justiz

Bereits seit Mitte der 90er Jahre liegt Berlusconi mit der italienischen Justiz im Dauerclinch. Zu den Vorwürfen gegen Berlusconi gehörten Meineid, Bestechung, illegale Parteienfinanzierung, Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung und Mafiakontakte, ohne dass es in insgesamt elf Verfahren zu einer rechtskräftigen Verurteilung kam.

Im Juni 2003 verabschiedete das Parlament unter Boykott der Opposition ein umstrittenes Immunitätsgesetz (»Lex Berlusconi») für die vier höchsten Amtsträger der Republik.

Nach dem Scheitern der Mitte-links-Koalition unter Ministerpräsident Romano Prodi gewann Berlusconi 2008 mit seiner neuen Partei Volk der Freiheit die vorgezogenen Neuwahlen und kehrte ins Amt des Ministerpräsidenten zurück.

Fest im Sattel

Trotz der Gerichtsverfahren und Sexaffären sitzt der italienische Ministerpräsident derzeit fest im Sattel. Er will bis zur Wahl im Frühjahr 2013 im Amt bleiben. Doch die Angriffe auf seine Person und der Dauerbeschuss aus dem Justizapparat nagen offenbar auch an einem Mann mit einem solch ausgeprägten Ego wie dem von Berlusconi. In einem abgehörten Telefonat mit einem Zeitungsverleger brach sich kürzlich eine Frustration Bahn. «In ein paar Monaten verschwinde ich aus diesem Scheissland», soll der Regierungschef gepoltert haben.

Berlusconi wäre aber nicht Berlusconi, wenn er solche Ausfälle nicht einfach aussitzen könnte. Das sei eines dieser Dinge, die man am späten Abend mit einem Lächeln sage und nicht ernst meine, wurde er kurz darauf von italienischen Medien zitiert. Vor vier Wochen wollte es der starke Mann aus Rom noch einmal wissen. Er verknüpfte eine Abstimmung über weitere Sparmassnahmen mit der Vertrauensfrage. Das kalkulierte Muskelspiel ging auf: Die Parlamentarier stellten sich erneut hinter ihren Ministerpräsidenten.

SDA/pbe

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