Ein «Deutscher» wird Präsident in Rumänien

Erst sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus, nun hat Regierungschef Victor Ponta bereits seine Niederlage eingeräumt. Der deutschstämmige Klaus Johannis erklärte sich zum Sieger der Wahl.

Der neue Präsident von Rumänien: Der Konservative Klaus Johannis feiert seinen Erfolg. (16. November 2014)

Der neue Präsident von Rumänien: Der Konservative Klaus Johannis feiert seinen Erfolg. (16. November 2014)

(Bild: Reuters)

Aus der Stichwahl um das Präsidentenamt in Rumänien ist überraschend der deutschstämmige Konservative Klaus Johannis als Sieger hervorgegangen. Wie die Wahlbehörde in der Nacht zum Montag nach der Auszählung von rund einem Drittel der Stimmen bekanntgab, lag Johannis mit 55,8 Prozent der Stimmen vor seinem Herausforderer Victor Ponta, der 44,2 Prozent erhielt.

Regierungschef Ponta gestand seine Niederlage ein. Erste Prognosen auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen hatten noch auf ein knappes Rennen zwischen den beiden Politikern hingedeutet, bei den ersten Teilergebnissen war der Abstand dann deutlich. Schon nach den ersten Tendenzen hatte Ponta seine Niederlage eingestanden: «Das Volk hat immer Recht», erklärte der 42-Jährige. Er habe Johannis bereits zum Sieg gratuliert. Er bekräftigte zudem, dass er als Regierungschef im Amt bleiben werde.

Im ersten Wahlgang noch hinter Ponta

«Wir haben gewonnen!», schrieb ebenfalls bereits nach der Veröffentlichung von Prognosen der 55-jährige Johannis am Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite. Der konservative Politiker ist seit 2000 Bürgermeister der Stadt Sibiu (Hermannstadt). Er war bei der ersten Runde deutlich hinter Ponta gelandet, weshalb der Regierungschef als Favorit in die Abstimmung gegangen war. Neuen Angaben zufolge lag die Wahlbeteiligung allerdings bei ungewöhnlich hohen 62 Prozent, was massgeblich zu Johannis' Sieg beigetragen haben dürfte.

(Video: Reuters)

Bei dem spannenden Duell zwischen Johannis und Ponta ging es um die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Traian Basescu, der gemäss der Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Ponta war für die Sozialdemokratische Partei (PSD) angetreten. Der ehemalige Staatsanwalt für Korruptionsfälle gilt als besonders verankert in der ländlichen Bevölkerung, ausserdem geniesst er den Rückhalt der einflussreichen Rumänisch-Orthodoxen.

Johannis kandidierte für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) mit dem Versprechen, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und ausländische Investoren anzulocken. Als Deutschrumäne und Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche vertritt Johannis gleich zwei gesellschaftliche Minderheiten.

Feiern in Bukarest, Tränengas in Paris

In der Hauptstadt Bukarest gingen noch am Sonntagabend rund 10'000 Menschen auf die Strasse, um Johannis' Sieg zu feiern. Sie schwenkten rumänische Fahnen und bejubelten ihren neuen Präsidenten, der kurz erschien, um die Menge zu grüssen. Die Menschen zeigten sich ausserdem solidarisch mit den im Ausland lebenden Rumänen, von denen Tausende wegen fehlender Wahllokale nicht abstimmen konnten.

In Paris war es am Abend zu Auseinandersetzungen gekommen: Dort ging die Polizei vor der rumänischen Botschaft mit Tränengas gegen aufgebrachte Rumänen vor, die bei der Schliessung des Gebäudes versuchten, dort einzudringen, um noch ihre Stimme abzugeben.

Kühl und wortkarg

Er will die Menschen ohne langes Gerede, allein durch gutes Handwerk gewinnen. Der deutschstämmige Klaus Johannis ist durch sein solides Image vom erfolgreichen Bürgermeister in Siebenbürgen zum rumänischen Spitzenpolitiker aufgestiegen. «Gutes Handwerk» ist der Wahlkampf-Slogan des 55-Jährigen.

Dass er einmal Staatspräsident werde, habe ihm Julio Iglesias vorausgesagt. Das schreibt Johannis in seiner jüngst in Rumänien erschienenen Autobiografie. Der bürgerliche Präsidentenkandidat berichtet darin über seinen Werdegang vom Physiklehrer im siebenbürgischen Sibiu (Hermannstadt) zum erfolgreichen Bürgermeister seiner Heimatstadt – wo einmal auch der spanische Sänger ein Konzert gegeben hat.

Diese Plauderei ist untypisch für Johannis. Denn ansonsten gilt er eher als kühl und wortkarg. In politischen Debatten mit meist sehr schlagfertigen rumänischen Politikern gerät er mit seiner verbalen Enthaltsamkeit nicht selten ins Hintertreffen.

Vorfahren aus Deutschland

Johannis ist Siebenbürger Sachse, seine Vorfahren sind im 12. Jahrhundert aus dem Moselgebiet in das Hochland im Karpatenknie eingewandert, das seit 1918 zu Rumänien gehört. Seit dem Jahr 2000 ist er Bürgermeister von Sibiu, wo er bei vier Wahlen stets mit mehr als zwei Drittel der Stimmen gewählt wurde.

Lange hat sich Johannis von der Parteipolitik ferngehalten. 2013 trat der Rathauschef der damals mitregierenden Nationalliberalen Partei (PNL) bei. Er habe erkannt, dass er ohne Hilfe einer grossen Partei nicht genug für Sibiu tun könne, sagte er.

Seit Juni 2014 ist Johannis PNL-Vorsitzender. Diesen schnellen Aufstieg verdankt er einem Machtvakuum, das in der PNL nach schlechtem Abschneiden bei der Europawahl entstanden war. Für das Amt des Staatspräsidenten kandidiert er jetzt im Namen der Christlich-Liberalen Allianz (ACL), zu der neben seiner PNL auch die bürgerliche Partei PDL gehört.

Erfolgreicher Bürgermeister

Nach einer Karriere als Lehrer am traditionsreichen deutschsprachigen Brukenthal-Gymnasium in Sibiu wurde Johannis Schulinspektor. Für das Rathaus kandidierte er zunächst im Namen des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), dessen Vorsitzender er war. Selbst politische Gegner erkennen an, dass er das mittelalterliche Sibiu zu einem Magneten für Investoren und Touristen entwickelt hat.

Die meisten Siebenbürger Sachsen - darunter Johannis' eigene Familie - sind nach Deutschland ausgewandert. Johannis hingegen steht zu seiner Heimat. Er setzt auf eine liberale Wirtschaftspolitik, den Kampf gegen die Korruption und auf Treue zu EU und Nato. «Gutes Handwerk» ist sein Wahlkampf-Slogan. Viele Rumänen nennen ihn liebevoll «Santa Klaus».

thu/chk/sda/AFP

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