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Ein Lenin-Anhänger auf dem Weg zum «Präsidenten»

Mehr als 80 Prozent der Ostukrainer wählten ihn offenbar als Oberhaupt: Alexander Sachartschenko. Der 38-Jährige ist das Gesicht einer Rebellion, die laut dem Westen von Moskau orchestriert wurde.

USA und EU akzeptieren Urnengang in der Ostukraine nicht: Ein Mann umarmt zur Feier des Wahlausgangs eine Frau. (2. November 2014)
USA und EU akzeptieren Urnengang in der Ostukraine nicht: Ein Mann umarmt zur Feier des Wahlausgangs eine Frau. (2. November 2014)
Reuters
Die Separatisten in Donezk und Luhansk haben nicht, wie im Minsker Abkommen vorgesehen, eine regionale Verwaltung wählen lassen, sondern «Präsidenten» von «unabhängigen Staaten»: Prorussische Rebellen tragen eine Wahlurne nahe der Frontlinie in Donezk. (2. November 2014)
Die Separatisten in Donezk und Luhansk haben nicht, wie im Minsker Abkommen vorgesehen, eine regionale Verwaltung wählen lassen, sondern «Präsidenten» von «unabhängigen Staaten»: Prorussische Rebellen tragen eine Wahlurne nahe der Frontlinie in Donezk. (2. November 2014)
Dmitry Lovetsky, Keystone
Ein prorussischer Rebell bewacht eine Wahlurne in der Nähe des Flughafens Donezk. (2. November 2014)
Ein prorussischer Rebell bewacht eine Wahlurne in der Nähe des Flughafens Donezk. (2. November 2014)
Keystone
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Schon am Abend des Wahlganges lässt sich der vorhersehbare Sieger bejubeln. Der bisherige «Regierungschef» der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk, Alexander Sachartschenko, ist nach ersten Prognosen mit gut 80 Prozent der Stimmen als «Präsident» gewählt worden.

Seine Partei Republik Donezk soll auf 65 Prozent der Stimmen gekommen sein. Sachartschenko ist das lokale Gesicht einer Rebellion, die nach Überzeugung Kiews und mehrerer westlicher Regierungen von Moskau orchestriert wurde.

In seiner offiziellen Biografie legt der 38-Jährige Wert darauf, dass sein Vater 30 Jahre als Bergmann arbeitete - wie so viele Menschen im Donbass, dem ukrainischen Kohlerevier. Sachartschenko selbst ist vor Beginn des Ukraine-Konflikts als Unternehmer aktiv. Nach eigenen Angaben verkauft er Anfang 2014 sein Geschäft, um die Separatistenbewegung gegen die neue Zentralmacht in Kiew zu finanzieren.

Ausrufung der Volksrepublik

Kräftig von Statur, pausbäckig und mit grünen Augen, ist Sachartschenko mit dabei, als die Separatisten im April die Regionalverwaltung von Donezk übernehmen und eine «Volksrepublik» ausrufen. Es ist der Beginn eines Konflikts, in dessen Verlauf bis Ende Oktober nach UNO-Erhebungen mehr als 4000 Menschen getötet werden und fast eine Millionen Menschen die Flucht ergreifen.

Sachartschenko beteiligt sich an den Gefechten gegen die ukrainischen Streitkräfte, etwa in der Stadt Slawjansk. Zwei Monate dauert es, bis die Armee die Stadt zurück erobert hat.

Im August wird der Mann mit dem dunkelblonden Kurzhaarschnitt als neuer «Regierungschef» von Donezk vorgestellt. Sachartschenko, der sich als Lenin-Anhänger präsentiert, tritt damit die Nachfolge einer ganzen Reihe russischer Staatsbürger an, die zuvor offiziell die Separatisten angeführt hatten.

Sachartschenko dementiert Berichte, wonach unter den «tausenden Freiwilligen» aus Russland auch Angehörige der russischen Streitkräfte sind. «Wenn Russland Truppen geschickt hätte, würden wir jetzt über Kämpfe in den Vororten Kiews oder über die Eroberung von Lemberg (Lwiw) sprechen», sagt er.

«Territorien zurückholen»

Sachartschenko ist dabei, als Anfang September in der weissrussischen Hauptstadt Minsk eine Waffenruhe zwischen Kiew und den Separatisten vereinbart wird. Er gehört zu den Unterzeichnern des Dokuments, das fast zwei Monate später noch immer nicht umgesetzt ist.

Sachartschenko fordert ganz offen die Einverleibung weiterer Gebiete im Südosten der Ukraine, darunter die umkämpfte Hafenstadt Mariupol. «Wir müssen alle Territorien zurückbekommen, die uns gehören. Sei es durch Verhandlungen oder auf anderem Weg», sagt er.

Dass sein neuer Status als gewählter Präsident ihm international Legitimität verleihen könnte, glaubt Sachartschenko nicht. «Wahrscheinlich werden wir nicht anerkannt werden», sagt er über seine kleine «Volksrepublik». «Einerseits ist das schlecht, andererseits ist es gut, weil es bedeutet, dass wir keine internationalen Verpflichtungen haben.»

AFP/ajk

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