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«Ein Mann erklärte uns, dass wir sicher getötet werden»

Der Flugzeugabsturz in der Ostukraine rückt die Separatisten in den Fokus. Wer sind die unberechenbaren Kämpfer? In einem Interview meldet sich erstmals ein ehemaliges Mitglied ausführlich zu Wort.

Gut bewachter Auftritt: Separatistenführer Borodai umgeben von Leibwächtern.
Gut bewachter Auftritt: Separatistenführer Borodai umgeben von Leibwächtern.
Keystone

Der Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs rückt die russischen Separatisten in der Ostukraine ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Westliche Akteure, allen voran die Regierung in Kiew, beschuldigen die Gruppierung, für den Tod der fast 300 Insassen verantwortlich zu sein. Dies, obwohl bis jetzt keine eindeutigen Beweise vorliegen.

Tatsache ist jedoch, dass die Rebellen in grossen Teilen der Ostukraine seit März für Unruhe sorgen. Es herrscht Bürgerkrieg. Auffällig ist, wie instransparent der Konflikt für Aussenstehende ist: Welche Meldungen entsprechen der Wahrheit, wann handelt es sich um Propaganda und vor allem wer steckt hinter den prorussischen Separatisten, die vergangenen April die «Volksrepublik Donezk» ausgerufen haben?

Die Separatisten erhalten ein Gesicht

Zwei Köpfe stehen zurzeit im Zentrum: Igor Girkin und Alexander Borodai. Ersterer gilt als zentraler militärischer Anführer der Separatisten und Borodai figuriert als Premierminister der selbst ernannten «Volksrepublik Donezk». Glaubt man dem ukrainischen Geheimdienst, so besitzen beide einen russischen Pass und sind aus Moskau in die Ukraine gereist. Erst auf die Krim, als «Berater» von Krim-Premier Sergei Axjonow, dann in die Ostukraine.

Die Männer, die für sie kämpfen und offenbar immer zahlreicher werden, bleiben jedoch gesichtslos. Stammen sie aus Russland, aus der Ukraine oder werden sie aus anderen Ex-Sowjetstaaten rekrutiert? Gegenüber «Radio Free Europe» äussert sich nun erstmals ausführlich ein Mann, der behauptet «für die Separatisten in der Ukraine gekämpft» zu haben.

«Ein Lohn wurde uns nicht versprochen»

Im Interview, das auch die «NZZ am Sonntag» abdruckte, erzählt der 24-jährige Artur Gasparyan, wie er in Moskau zusammen mit anderen jungen Männern von Unbekannten angeworben wurde. Seine Schilderungen vermitteln den Eindruck einer intransparenten und chaotischen Organisation: «Ein Lohn wurde uns nicht versprochen, nur Essen, Kleidung, Waffen und die Garantie, dass unsere Leichen nach Rostow gebracht und unseren Angehörigen übergeben werden.»

Vor der Abreise sei er genötigt worden, seine Konten in sozialen Medien zu löschen: «Ein Mann erklärte uns, dass wir nach Slowjansk gebracht werden und sicher getötet werden», sagt Gasparyan. Er habe in einem Verbund von rund 100 Männern gekämpft, von denen viele ums Leben gekommen seien.

Über seine Mitstreiter sagt er: «Sie waren gute, patriotische Kerle. Ein paar stammten vom Kaukasus, es gab Armenier aus Krasnodar in Russland und aus Krywyj Rih in der Ukraine. Später kamen einige Tschetschenen hinzu.» Gasparyan zeichnet das Bild einer brutalen und schlecht organisierten Truppe, die nicht einmal die Namen ihrer Befehlsgeber gekannt habe.

Separatisten als «Mörder» beschimpft

Obwohl so gut wie nichts über die Separatisten bekannt ist, mehren sich derweil die Stimmen, die nach Vergeltung verlangen. Westliche Politiker und Medien tendieren dazu, den anonymen Kampftruppen den gezielten Abschuss anzulasten.

So auch in den Niederlanden, von wo ein Grossteil der Opfer stammt: «Mörder» prangt in schwarzen Grossbuchstaben auf der Titelseite des «Telegraaf». Dazu stellt das rechtsgerichtete niederländische Boulevardblatt Fotos von den Führern der prorussischen Rebellen in der Ostukraine. Eine Seite weiter: Fotos von 63 der insgesamt 193 niederländischen Opfer. «Sie wurden ermordet», schreibt die Zeitung.

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