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Eine bittere Rückkehr

Sie hat alles richtig gemacht. Doch Julija Timoschenko sieht nicht, dass man sie in der Politik der Ukraine nicht mehr braucht – oder besser: nicht mehr will.

Will ukrainische Präsidentin werden: Die frühere Ministerpräsidentin Julija Timoschenko vor einer ukrainischen Flagge. (9. März 2010)
Will ukrainische Präsidentin werden: Die frühere Ministerpräsidentin Julija Timoschenko vor einer ukrainischen Flagge. (9. März 2010)
Efrem Lukatsky, Keystone
Hände schütteln: Julija Timoschenko mit dem EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle bei einem Treffen in Kiew. (26. März 2014)
Hände schütteln: Julija Timoschenko mit dem EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle bei einem Treffen in Kiew. (26. März 2014)
Olexander Prokopenko, Keystone
Freudentränen nach der Freilassung.
Freudentränen nach der Freilassung.
Reuters
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Sie hat alles richtig gemacht, und sie hat alles so gemacht, wie man es von ihr erwarten konnte: Kaum aus dem Gefängnis entlassen, war Julija Timoschenko schon auf dem Weg nach Kiew. Als Erstes bezeugte sie den Toten des Aufstandes in der Ukraine ihren Respekt und gratulierte dann den Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz zu ihrem Mut. «Als ich Kiew sah, erkannte ich es nicht wieder. Das ist eine andere Ukraine, das ist ein anderes Volk», rief sie begeistert.

Einzig die Konsequenz aus dieser Erkenntnis hat sie nicht gezogen: dass man sie hier in der Politik nicht mehr braucht – oder besser: nicht mehr will. Nicht, weil sie alt und krank wirkte, nicht, weil sie während der entscheidenden Tage im Gefängnis sass und nicht auf dem Platz stand, sondern vor allem, weil auch sie zur Schaffung des heutigen, hochkorrupten Systems beigetragen hat, in dem sich die Mächtigen nach Belieben an Staat und Volk bedienen.

Sie werde an den Präsidentenwahlen teilnehmen und «dafür garantieren, dass eure Forderungen erfüllt werden. Alle!» Fast wörtlich das Gleiche hatte sie vor zehn Jahren schon einmal versprochen, auf demselben Platz, vor Hunderttausenden Menschen. Damals bebte der Maidan, wenn die Prinzessin der Orangen Revolution in ihrem orangen Wollpullover auf die Bühne trat, die Menschen schrien in endlosen Sprechchören «Julija, Julija!».

Doch am Samstag skandierten sie stattdessen: «Helden sterben nie!» Julija Timoschenko hat die Versprechen der Orangen Revolution verraten, weil sie ihre Eifersüchteleien, ihr eigenes politisches Kalkül nicht zurückstecken konnte – genau wie all die anderen ukrainischen Politiker, die heute am Pranger stehen.

Manche Demonstranten zeigten sich zwar erfreut darüber, dass sie wieder ein freier Mensch ist, aber sie machten auch klar, dass für diese Revolution andere gefochten, andere bezahlt haben. Fast begeistert begrüsst wurde sie ausgerechnet im bei den Maidan-Demonstranten verhassten Russland, wo sie als Garantin für Stabilität dargestellt wurde.

Es ist eine bittere Rückkehr für Julija Timoschenko. Zwar ist ihr alter Rivale Wiktor Janukowitsch von der Macht vertrieben, doch auch sie selber ist beim ukrainischen Volk durchgefallen.

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