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Eklat im Prozess gegen Ex-Diktator Taylor

Der Prozess gegen den früheren liberianischen Machthaber und Kriegsverbrecher Charles Taylor nähert sich dem Ende. Kurz vor den Plädoyers ist es zu einem Zwischenfall gekommen.

Im Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden bis 2001 mehr als 250'000 Menschen getötet: Charles Taylor vor Beginn des Prozesses.
Im Bürgerkrieg in Sierra Leone wurden bis 2001 mehr als 250'000 Menschen getötet: Charles Taylor vor Beginn des Prozesses.
Keystone

Vor den Plädoyers im Kriegsverbrecherprozess gegen den liberianischen Expräsidenten Charles Taylor ist dessen Anwalt erbost aus dem Gerichtssaal im niederländischen Leidschendam gestürmt.

Der britische Verteidiger Courtenay Griffiths ignorierte am Dienstag Aufforderungen des Sondertribunals zu bleiben, nachdem er sich zuvor einen hitzigen Wortwechsel mit den Richtern geliefert hatte. Diese wollten eine schriftliche Zusammenfassung der Verteidigung nicht akzeptieren.

Waffen gegen Diamanten

Dem früheren liberianischen Machthaber wird vorgeworfen, während des Bürgerkriegs in Sierra Leone Rebellen mit Waffen versorgt zu haben, die ihn mit Diamanten bezahlten. Taylor hat sich in allen elf Anklagepunkten, darunter Mord, Vergewaltigung und die Rekrutierung von Kindersoldaten, für nicht schuldig erklärt.

Im sogenannten Blutdiamanten-Prozess begann mit dem Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft die entscheidende Phase. Am Mittwoch bekommt die Verteidigung das Wort zu ihrem Schlussplädoyer. Mit einem Urteil wird erst im Sommer gerechnet.

«Furchtbarste Verbrechen»

Die Anklage wirft Taylor vor, blutrünstige Rebellen in Liberias Nachbarland Sierra Leone ausgerüstet und kontrolliert zu haben. «Charles Taylor trägt grösste Verantwortung für die furchtbaren Verbrechen, die dort begangen wurden», sagte Staatsanwältin Brenda Hollis aus den USA vor dem Sondertribunal für Sierra Leone in Leidschendam bei Den Haag.

Dazu gehörten Massenvergewaltigungen, die Verstümmelung von Dorfbewohnern und die Zwangsrekrutierung von Kindern als Kämpfer. «Unschuldige Menschen wurden wie Vieh behandelt», sagte Hollis. Laut Anklage haben die Mörderbanden der «Revolutionären Vereinigten Front» (RUF) Taylor für Waffenlieferungen mit geraubten Rohdiamanten bezahlt.

Dem Bürgerkrieg in Sierra Leone waren nach UNO-Schätzungen bis 2001 mehr als 250'000 Menschen zum Opfer gefallen.

SDA/mrs

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