Zum Hauptinhalt springen

«Er glüht vor Glück»

Die deutschen Medien reiben sich verwundert die Augen über den Erfolg des «bedächtigen Oberrealos» Kretschmann in Baden-Württemberg. Die ausländischen Medien sprechen von einem historischen Sieg.

Winfried Kretschmann lächelt nicht nur von sämtlichen Titelseiten und Online-Portalen entgegen – er strahle geradezu, findet die deutsche Boulevardzeitung «Bild» in Anspielung auf die Reaktorkatastrophe, die dem grünen Politiker in Baden-Württemberg den Wahlsieg beschert hat. Und damit findet die Analogie zur Atomenergie noch lange kein Ende: Die Schlagzeilen zu den «Atom-Wahlen» hält das Blatt in giftigem Grün. Das Schicksal der unterlegenen Politiker vergleicht sie mit jenem der havarierten AKW in Japan: «CDU-Mappus abgeschaltet», titelt die Zeitung über den Wahlverlierer in Baden-Württemberg. Und auch die Verlierer in Rheinland-Pfalz werden mit Häme verabschiedet: «SPD-Beck runtergefahren» und «FDP vom Netz», heisst es etwa. Über Gewinner Kretschmann steht dagegen: «Erster grüner Ministerpräsident glüht vor Glück». Schon jetzt wird Winfried Kretschmann mit der Ministerpräsidenten-Legende Erwin Teufel verglichen: Man nenne ihn im Ländle den «grünen Teufel», schreibt «Bild».

Nüchterner titelt dagegen die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». «Mappus stürzt – Mehrheit für Grün-Rot», heisst es auf dem Internetportal. Im Artikel unter dieser Schlagzeile lehnt sich das Blatt dagegen etwas weiter aus dem Fenster hinaus und bezeichnet Kretschmann als «bedächtigen Oberrealo». Von einer grünen Revolution spricht «Spiegel online». Ausgerechnet das konservative Stammland werde jetzt von einem Grünen regiert, schreibt das Magazin. Skeptisch zeigt sich deswegen die «Welt»: Grün-Rot passe nicht zu Baden-Württemberg, findet das Medium. Eine Koalition von Grünen und SPD sei für Baden-Württemberg eine fast bizarre Konstellation und so anfällig wie die verflossene CDU-Regentschaft in Hamburg. Auf dem Online-Portal der «Süddeutschen Zeitung» prangt das Konterfei des Grünen ausgerechnet unter einer Auto-Werbung. Der «Super-Seriöse», wie die Zeitung den Politiker betitelt, wird für einmal wohl damit leben können.

«Historische Niederlage im Stammlande»

Auch im Ausland wird das Wahlresultat mit Interesse zu Kenntnis genommen – nicht nur in der Schweiz, sondern zum Beispiel auch in Grossbritannien. Der «Guardian» etwa spricht von einer Wahl, die «von Fukushima überschattet» wurde. Merkel verliere ein Schlüssel-Bundesland wegen der Angst vor der Atomkraft, schreibt die «New York Times». Die CDU habe in ihrem eigenen Stammlande eine historische Niederlage erlitten, schreibt «Le Monde» in Frankreich. Und« La Repubblica» in Italien spricht von einem Debakel für Merkel, da die CDU im Bundesland die Macht nach 60 Jahren verliere. Vielleicht schwingt da in einem Land, das sich stetige Regierungswechsel gewohnt ist, auch etwas Bewunderung für die bisherige politische Stabilität in Baden-Württemberg mit.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch