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Erdogan provoziert die Griechen

Vor rund 90 Jahren legte ein Abkommen den türkisch-griechischen Grenzverlauf fest. Nun stellt der türkische Präsident das Dokument infrage. Athen reagiert scharf.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Vertrag von Lausanne infrage gestellt. (22. November 2016)
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Vertrag von Lausanne infrage gestellt. (22. November 2016)
Murat Cetinmuhurdar, Presidential Press Service, Keystone
In dem Vertrag von 1923 wurde der heutige Grenzverlauf zwischen der Türkei und Griechenland festgelegt: Auf diesem Eichentisch wurde der Vertrag von Lausanne signiert – 2008 schenkte die Schweiz ihn der Türkei.
In dem Vertrag von 1923 wurde der heutige Grenzverlauf zwischen der Türkei und Griechenland festgelegt: Auf diesem Eichentisch wurde der Vertrag von Lausanne signiert – 2008 schenkte die Schweiz ihn der Türkei.
Gamma-Keystone via Getty Images, Keystone
Allerdings äusserte sich Pavlopoulos (Bild: r. neben Tsipras) auch versöhnlich: Griechenland sei nach wie vor an der «Freundschaft» mit seinem Nachbarn interessiert.
Allerdings äusserte sich Pavlopoulos (Bild: r. neben Tsipras) auch versöhnlich: Griechenland sei nach wie vor an der «Freundschaft» mit seinem Nachbarn interessiert.
Armando Babani, Keystone
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Der heutige Grenzverlauf zwischen der Türkei und Griechenland wurde 1923 zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und der türkischen Führung unter Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk im Vertrag von Lausanne festgelegt.

Am Dienstag hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara dieses Abkommen, das zur Umsiedlung von zwei Millionen Menschen führte, infrage gestellt: «‹Lausanne› ist kein unanfechtbarer Text, keinesfalls ist es ein heiliger Text.» Er respektiere die Errungenschaften des Vertrags, aber man müsse darüber diskutieren, fügte Erdogan hinzu, wie Welt Online» schreibt.

Auf diesem Eichentisch wurde 1923 der Vertrag von Lausanne signiert – 2008 schenkte die Schweiz ihn der Türkei. (Bild: Gamma, Getty)

Bereits zuvor hatte der türkische Präsident Kritik an dem beinahe 100 Jahre alten Abkommen geäussert, weil einige Inseln in der Ägäis damals Griechenland zugesprochen wurden. In Lausanne hätten die Türken einst Inseln «weggegeben», die so nah vor der türkischen Küste lägen, «dass wir eure Stimmen hören können, wenn ihr herüberruft», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» den Staatschef.

Tsipras ist empört

Die griechische Regierung reagierte auf Erdogans Äusserungen scharf: «Wir stellen die Grundlage unserer Beziehungen nicht infrage. Aber wir werden auch niemand anderem erlauben, sie infrage zu stellen,» sagte Regierungschef Alexis Tsipras am Donnerstag während einer Rede vor seiner Parlamentsfraktion.

Bereits zuvor hatte Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos erklärt, dass der Grenzverlauf zwischen Griechenland und der Türkei nicht verhandelbar sei. «Hier kann es keine Zugeständnisse und keine Verhandlungen geben», sagte er gemäss der «Süddeutschen Zeitung». Allerdings äusserte sich Pavlopoulos auch versöhnlich und fügte hinzu, dass Griechenland ein Fenster und eine Tür für türkische EU-Ambitionen sei und nach wie vor an der «Freundschaft» mit seinem Nachbarn interessiert sei.

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