Zum Hauptinhalt springen

Erdogan weitet Twitter-Blockade aus

Bisher liess sich die Twitter-Blockade der türkischen Behörden mit Tricks umgehen. Nun ist der Kurznachrichtendienst auch über die direkte IP-Adresse nicht mehr aufrufbar. Damit nicht genug.

Die Sperre sorgte für heftige Proteste: Ein Mann hat auf seinem Smartphone die gesperrte Twitter-Seite geöffnet.
Die Sperre sorgte für heftige Proteste: Ein Mann hat auf seinem Smartphone die gesperrte Twitter-Seite geöffnet.
Reuters

Die türkischen Behörden schneiden ihre Bürger immer mehr vom Kurznachrichtendienst Twitter ab. Nun sei auch Twitters Linkverkürzer t.co gesperrt, berichteten türkische Medien. Damit werden beim Klick auf solche über Twitter verkürzte Links die Websites dahinter nicht mehr aufgerufen.

Viele Nutzer hatten die in der Nacht zum Freitag eingeführte Blockade zunächst umgangen. Die türkischen Behörden setzten auf eine DNS-Sperre - das heisst, bei den einheimischen Internet-Providern wurde die Übersetzung der Web-Adresse twitter.com in den entsprechenden IP-Zahlenblock verhindern, so dass sie nicht erreicht wurde. Wer die IP-Adresse kannte oder alternative DNS-Dienste nutzte, kam trotzdem ans Ziel.

Über verschlüsselte Tunnels erreichbar

Seit dem Wochenende werde Twitter auch direkt über die IP-Adresse blockiert, hiess es. Zudem habe die Regierung Umgehungen der Sperre über alternative DNS-Server wie Google DNS blockiert. Ein DNS-Server löst einen eingetippten Domainnamen wie twitter.com in die technische Adresse (IP-Adresse) auf.

Wer Google als DNS-Dienst in seinem Browser eingetragen hatte, konnte auch in der Türkei wie bisher auf einfache Weise auf twitter.com gehen, ohne die IP-Adresse von Twitter kennen zu müssen. Twitter kann allerdings noch über sogenannte VPN-Dienste erreicht werden, die einen verschlüsselten Tunnel zum Internet herstellen.

Staatschef kritisiert Massnahme

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist durch eine Reihe von Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten. Er hatte den für seine politischen Gegner wichtigen Kommunikationskanal Twitter wenige Tage vor der am 30. März geplanten türkischen Kommunalwahl blockieren lassen.

Die Twitter-Sperre stiess bei westlichen Regierungen und der EU auf scharfe Kritik. Auch der türkische Staatschef Abdullah Gül verurteilte die Sperrmassnahme.

SDA/kpn

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch