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Ex-Minister gibt Schwarzgeldkonto zu

Frankreichs Ex-Haushaltsminister Jérôme Cahuzac gesteht einen «unglaublichen Fehler» ein: 600'000 Euro hat der frühere Schönheitschirurg versteckt – angeblich in der Schweiz.

Die Hinweise auf ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz wurden immer stärker: Jérôme Cahuzac als Budgeminister in der Fragestunde im Parlament in Paris. (19. März 2013)
Die Hinweise auf ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz wurden immer stärker: Jérôme Cahuzac als Budgeminister in der Fragestunde im Parlament in Paris. (19. März 2013)
AFP

Der vor zwei Wochen wegen einer Steuerbetrugs-Affäre zurückgetretene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hat den Besitz eines heimlichen Auslandskontos zugegeben. Er führe seit «rund 20 Jahren» ein Konto im Ausland, auf dem derzeit rund 600'000 Euro lägen, erklärte Cahuzac. Staatschef François Hollande kritisierte Cahuzac scharf, dem nun ein Prozess wegen «Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung» droht.

Cahuzac bat Hollande, Regierungschef Jean-Marc Ayrault und seine einstigen Ministerkollegen um Verzeihung «wegen des Schadens, den ich verursacht habe». Auch bei allen Franzosen wolle er sich entschuldigen. «Ich war in einer Lügenspirale gefangen», erklärte Cahuzac. Er habe einen «unglaublichen Fehler» begangen und sei jetzt angesichts von «Schuldgefühlen am Boden zerstört».

Konto in der Schweiz?

Cahuzac, der bis dahin als eine der wichtigsten Stützen der Regierung von Staatschef Hollande galt, war am 19. März nach der Einleitung einer richterlichen Voruntersuchung vom Amt des Haushaltsministers zurückgetreten. Das französische Enthüllungsportal Mediapart hatte im Dezember berichtet, Cahuzac habe jahrelang ein heimliches Konto bei der Schweizer Grossbank UBS besessen. Die französische Tageszeitung Le Monde hatte später die Schilderung eines nicht namentlich Informanten veröffentlicht, der sagte, Cahuzac habe sein Geld über die Schweizer Privatbank Reyl angelegt. Diese habe Cahuzacs Geld zusammen mit jenem anderer Franzosen auf einem gemeinsamen Konto bei der UBS platziert. Laut dem Bericht von Mediapart soll Cahuzac das Geld 2010 abgezogen und nach Singapur transferiert haben.

Cahuzac hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und auch nach seinem Rücktritt seine Unschuld beteuert. Am Dienstag wurde der 60-Jährige – nach eigenen Angaben auf seine Initiative hin – von den ermittelnden Untersuchungsrichtern befragt. Die Richter eröffneten daraufhin ein formelles Ermittlungsverfahren wegen «Geldwäsche im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung», wie Cahuzacs Anwalt Jean Veil der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Früher Schönheitschirurg

Er wolle das Geld nun auf sein Konto in Frankreich überweisen lassen, erklärte Cahuzac. Nach Angaben seines Anwalts wurde das Konto in der Schweiz 2009 nach Singapur transferiert. Die Beträge stammten demnach aus Cahuzacs früherer Tätigkeit als Schönheitschirurg und aus Beratertätigkeiten. Medienberichten zufolge war Cahuzac früher als Berater für die Pharmaindustrie tätig.

Hollande übte heftige Kritik an seinem Ex-Minister: Cahuzac habe einen «unverzeihlichen moralischen Fehler» begangen, als er unter anderem vor der französischen Nationalversammlung die Existenz eines Auslandskontos bestritten habe. Cahuzac hatte Anfang Dezember vor den Abgeordneten gesagt: «Ich habe kein Konto im Ausland und habe nie eines besessen.» Hollande erklärte, nun sei es an der Justiz, «in aller Unabhängigkeit die Konsequenzen zu ziehen».

Der Vorsitzende der oppositionellen konservativen UMP in der Nationalversammlung, Christian Jacob, sagte, es falle ihm schwer zu glauben, dass Hollande und Ayrault nicht schon vorher über «die Situation» informiert gewesen seien.

(AFP)

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