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Fischer vermisst die Kraftausdrücke

«Rumpelstilzchen», «Wildsau», «Gurkentruppe»: Deutschlands Ex-Aussenminister Joschka Fischer sieht die politische Kultur durch die jüngsten verbalen Pöbeleien nicht gefährdet. Im Gegenteil.

Der ehemalige Aussenminister sagte gegenüber der «Süddeutschen Zeitung», für ihn seien es «eher moderate Ausdrücke im politischen Getümmel», wenn ein CDU-Mann den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als «Rumpelstilzchen» bezeichne, jemand von der CSU die FDP «Gurkentruppe» nenne und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sich über die «Wildsau»-Beschimpfung eines Liberalen errege.

Fischer äusserte gegenüber der Zeitung Bedauern darüber, dass «echte Deftigkeiten» in der heutigen Politik eher selten vorkämen und alles viel «wohlerzogener» sei. Bei Rednern wie dem heutigen Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) habe er immer eher ab- als eingeschaltet. «Seine Rhetorik hat bei mir nie verfangen.» Wenn er selber den Bundestagspräsidenten als «Arschloch» oder Kabinettsmitglieder als «Halbleichen bis Leichen» bezeichnet habe, so habe er das aber immer «in sehr korrekter Form» getan, sagte Fischer, der heute Energie- und Autofirmen berät.

Freundliche Worte über Urgestein Herbert Wehner

Am besten in der Anwendung kraftvoller Formulierungen sei der ehemalige SPD-Chef Herbert Wehner gewesen, der unter anderem einmal einen CDU-Abgeordneten als «Übelkrähe» titulierte. Der Name dieses Politikers lautete übrigens Jürgen Wohlrabe.

Den Vergleich des «feschen» Verteidigungsministers mit «Rumpelstilzchen» befand allerdings auch Fischer für nicht angemessen. «Selbst wenn man seiner Frau die Rolle der goldspinnenden Königstochter zuschustern würde, passt das doch – wenn man das Märchen kennt – hinten und vorne nicht», so der ehemalige Minister.

CSU und FDP hatten sich zuletzt im Streit um die Gesundheitsreform mit Wörtern wie «Wildsau» und «Gurkentruppe» bedacht. Der Bericht der «Bild»-Zeitung, demzufolge Guttenberg während der zweitägigen Sparklausur als «Rumpelstilzchen» bezeichnet wurde, war von einem Regierungssprecher allerdings dementiert worden.

AFP/raa

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