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Flüchtlinge in Serbien: «Wir wurden vergessen»

Die Welt spricht von der Situation in der Türkei und in Griechenland. Doch auch in Serbien sitzen mehrere tausend Flüchtlinge fest. Sie können weder nach Europa, noch zurück.

«Balkan, Europa, Balkan, Europa»: Migranten stehen an der Grenze in Sid, Serbien. Nur einen einzigen Schritt und sie wären in Kroatien. Doch es gibt keinen legalen Weg für die Gruppe, sich weiter vorwärts in die Mitte Europas zu bewegen. (14. Februar 2016)
«Balkan, Europa, Balkan, Europa»: Migranten stehen an der Grenze in Sid, Serbien. Nur einen einzigen Schritt und sie wären in Kroatien. Doch es gibt keinen legalen Weg für die Gruppe, sich weiter vorwärts in die Mitte Europas zu bewegen. (14. Februar 2016)
AP Photo/Darko Vojinovic, Keystone
Qasim Rafiqui, 24, ein Flüchtling aus Pakistan sitzt, auf der Schaukel. Nur hier geht es hin und her – ansonsten stecken die Migranten in Serbien fest. (9. Februar 2016)
Qasim Rafiqui, 24, ein Flüchtling aus Pakistan sitzt, auf der Schaukel. Nur hier geht es hin und her – ansonsten stecken die Migranten in Serbien fest. (9. Februar 2016)
AP Photo/Marko Drobnjakovic, Keystone
Ein Junge hängt am Grenzzaun seine Wäsche auf. (AP Photo/Darko Vojinovic)
Ein Junge hängt am Grenzzaun seine Wäsche auf. (AP Photo/Darko Vojinovic)
AP Photo/Darko Vojinovic, Keystone
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Dschijan Ali geht über einen gewundenen Pfad durch den dichten Eichenwald an der Grenze von Serbien und Kroatien und kann sein Pech nicht glauben. Er hat es bis nach Europa geschafft, über stürmische See und zerklüftete Berge, um jetzt wenige Meter vor seinem Traumziel gestoppt zu werden: der Europäischen Union.

Der 20 Jahre alte Kurde aus Rodschawa in Syrien sitzt zusammen mit etwa 200 anderen Flüchtlingen seit der Schliessung der Balkanroute Anfang März auf der serbischen Seite der Grenze fest. Jetzt gibt es keinen legalen Weg für die Gruppe, sich weiter vorwärts in die Mitte Europas zu bewegen – und auch nicht zurück nach Griechenland oder in die Türkei. Sie hausen in einerheruntergekommenen früheren Nervenheilanstalt, in einem Land, das ihnen weder Arbeit noch andere Möglichkeiten bieten kann.

1000 sind in Serbien gestrandet

Während sich die Politik auf den EU-Türkei-Deal fokussiert, mit dem Migranten von Griechenland in die Türkei zurückgebracht werden sollen und in den Nachrichten die Bilder von den Zehntausenden Menschen laufen, die an der griechischen Grenze zu Mazedonien festsitzen, sind Ali und etwa 1000 Syrer, Afghanen und Iraker in Serbien gestrandet und fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft alleingelassen.

«Wir wurden vergessen», sagt Ali, während er sich mit ein paar befreundeten Flüchtlingen auf den täglichen Spaziergang macht. Die Strecke ist ein enger, schmutziger Pfad entlang der Grenze zu einem rostigen Drahtzaun, der das Niemandsland zwischen den beiden ehemaligen jugoslawischen Republiken markiert. Einige haben Spass dabei, hin und her zu springen zwischen Serbien und dem, was sie für das EU-Land Kroatien halten.

Einen Schritt von Europa entfernt

«Balkan, Europa, Balkan, Europa», albern Ali und seine Freunde herum. Ihr Lachen hallt durch den dichten Wald mit den ersten Frühlingsboten und Wildblumen. Keine Grenzsoldaten sind in Sicht entlang des Grenzstreifens, der während des Balkankriegs in den 90er Jahren stark vermint war. «Manchmal denke ich, das ist der Balkan, das ist Europa. Ich muss nur ein paar Schritte hinüber machen», sagt Ali.«Ich weiss nicht, wie schlau es ist, diesen Schritt zu tun. Aber vielleicht ist es besser, Schleuser zu benutzen, um dorthin zu gelangen.»

Hoffnung und Geduld schwinden, das Geld wird knapp. Deswegen versuchen immer mehr Migranten in Serbien, mit Hilfe von Menschenschmugglern die Hängepartie zu beenden. Mitarbeiter örtlicher Hilfsorganisationen berichten, dass etwa 100 Menschen jeden Tag versuchen, von Serbien nach Kroatien oder etwas weiter nördlich nach Ungarn zu gelangen. Doch die meisten würden gefasst. Und jeden Tag kommen etwa 130 neue Flüchtlinge nach Serbien, die meisten über versteckte Übergänge durch Bulgarien, wie es aus Behördenkreisen heisst.

«Ich kehre wohl zurück»

«Ich bin jetzt seit zweieinhalb Monaten hier», sagt Amir Eskandari, ein 17 Jahre alter Afghane, der allein unterwegs ist und nach Deutschland will. «Ich habe es drei Mal nach Ungarn versucht, zwei Mal nach Kroatien. Jedes Mal hat mich die Polizei erwischt. Ich werde es weiter versuchen.» Mehr als eine Million Menschen sind im vergangenen Jahr über die Balkanroute nach Europa gelangt, die meisten davon nach Deutschland oder in andere wohlhabende EU-Staaten.

Ehsan Rahmatjan, 20, der ebenfalls aus Afghanistan kommt, sagt, er habe genug davon, auf die Wiederöffnung der Grenzen zu warten. «Ich denke, ich werde mich für die Rückkehr entscheiden», sagt er. «Ich kam hierher mit Schleusern. Ich hatte eine Menge schlechte Erfahrungen, gefährliche Sachen. Deswegen will ich es nicht wieder mit Schleppern versuchen. Es ist gefährlich, es ist sehr hart.»

sda/Dusan Stojanovic/afo

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