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Frankreich liefert Ex-Terroristin nicht aus – Italien protestiert

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy wird die ehemalige Terroristin Marina Petrella nicht an Italien ausliefern.

Petrella verdankt den Entscheid namentlich Sarkozys Schwägerin sowie dessen Frau.

«Wir nehmen diese Entscheidung nicht hin», sagte der Vorsitzende eines italienischen Opferverbandes, Bruno Berardi, der Tageszeitung «La Stampa» vom Montag. Viele Familien von Terroropfern der Roten Brigaden seien «vom Schmerz zerstört». Die Organisation will nun vor dem Elyséepalast in Paris demonstrieren.

Auch das italienische Justizministerium kritisierte die Entscheidung. Die Unterstaatssekretärin im Justizministerium, Elisabetta Alberti Casellati, zeigte sich «sprachlos» über den Beschluss Sarkozys.

Auch die italienische Polizeigewerkschaft kritisierte Sarkozys Entscheidung. Petrella sei wegen Mordes an einem Polizisten verurteilt worden, betonte die Gewerkschaft.

Einsatz von Schwägerin und Ehefrau

Sarkozys Schwägerin, die Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi, setzt sich schon lange für Petrella ein. Sie habe die schwer depressive Italienerin im Spital besucht, um sich ein Bild von ihrem Zustand zu machen, sagte die Schwester von Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy im französischen Sender Europe 1.

Dann habe sie ihrer Schwester gesagt, was sie davon halte, und diese habe «ihrem Mann ihre Einschätzung mitgeteilt». Ausserdem habe sie selbst mit dem Staatschef gesprochen, sagte Bruni- Tedeschi, und er habe sich den Fall aufmerksam angehört. Schliesslich habe er selbst «mehrfach» mit Petrellas Ärzten und Anwälten gesprochen.

Zusammen mit ihrer Schwester habe sie der 54-jährigen Petrella Mitte vergangener Woche mitgeteilt, dass Frankreich sie nicht ausliefere. Petrellas Anwältin sagte der Nachrichtenagentur AFP, ihre im Spital liegende Mandantin habe «viel geweint», als sie die Nachricht bekommen habe.

Sarkozys Frau, die wie Petrella aus Italien stammt, hatte im Sommer in einem Interview ihr Mitgefühl für Petrella gezeigt. «Sie muss behandelt werden wie jeder Mensch, das Gefängnis ist dafür nicht der richtige Ort», sagte die First Lady.

Petrella zu krank für Auslieferung

Der Elysée gab am Sonntag bekannt, dass Frankreich die schwer kranke Italienerin - anders als im Sommer beschlossen - nicht ausliefere. Petrella leide an einer Depression, «die ihr Leben in Gefahr bringen kann», erklärte das Präsidialamt.

Die verurteilte Mörderin wird seit Ende Juli in einem Pariser Spital behandelt, nachdem sie in der Haft in eine Depression verfallen und offenbar dramatisch abgemagert war.

Petrella war 1992 in ihrer Heimat wegen eines Polizistenmordes in den 80er Jahren zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Im darauffolgenden Jahr flüchtete sie nach Frankreich, wo sie als Sozialarbeiterin tätig wurde. Im August vergangenen Jahres nahm die Polizei sie bei einer Verkehrskontrolle im Grossraum Paris fest.

SDA/mbr

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