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Fussballer erheben sich gegen das Élysée

Frankreich muss den Gürtel enger schnallen. Dies bekommen auch die Fussballer zu spüren: Sie sollen künftig bis zu 75 Prozent ihres Gehalts versteuern. Das inspiriert die Liga zum ersten Streik seit 1972.

Schafft sich mit der Reichensteuer keine Freunde im französischen Fussball: François Hollande. (Archivbild)
Schafft sich mit der Reichensteuer keine Freunde im französischen Fussball: François Hollande. (Archivbild)
AFP

Die Proteste der französischen Profifussballvereine gegen eine geplante Reichensteuer lassen die Pariser Regierung unbeeindruckt. Der sozialistische Staatschef François Hollande erklärte heute nach einem Treffen mit Vertretern des französischen Fussballs, angesichts des Haushaltslochs gebe es keine Ausnahmen bei der Abgabe in Höhe von 75 Prozent. Die Clubs der ersten beiden Fussball-Ligen hielten daher an einem Streik Ende November fest – dem ersten seit 1972.

Hollande empfing die Präsidenten des französischen Fussballverbands, der ersten beiden Fussball-Ligen sowie von sechs Proficlubs. Anschliessend hiess es in einer Erklärung des Elysée-Palasts: «Die Notwendigkeit, die staatlichen Finanzen zu sanieren, rechtfertigt vollauf diese Anstrengung, die Unternehmen abverlangt wird, die die Entscheidung treffen, Jahreslöhne in dieser Höhe zu zahlen.»

75 Prozent steuer ab Millionengehalt

Die französische Regierung will ab dem kommenden Jahr eine Reichensteuer von 75 Prozent auf Gehälter von über einer Million Euro erheben. Abgeführt werden soll die Steuer direkt von den Unternehmen, die solche Gehälter zahlen, also auch von Fussballvereinen. Der eigentliche Steuersatz beträgt dabei 50 Prozent - auf die 75 Prozent kommt man erst, wenn die Sozialabgaben hinzugerechnet werden.

Angesichts von Hollandes Unnachgiebigkeit bekräftigten die französischen Profifussballclubs ihr Vorhaben zu streiken. Mit einem «weissen Spieltag» ohne jegliche Begegnungen wollen sie vom 29. November bis 2. Dezember gegen die geplante neue Abgabe protestieren. Die Vereine wollen zumindest erreichen, dass der Steuerhöchstsatz nicht rückwirkend für bereits geschlossene Verträge gilt. Beim Tabellenführer Paris Saint-Germain etwa verdienen mehr als zehn Spieler über eine Million Euro pro Jahr.

«Alle Unternehmen sind betroffen»

Vor Hollande hatten bereits Premierminister Jean-Marc Ayrault und Haushaltsminister Bernard Cazeneuve klar gemacht, dass es für den Profi-Fussball keine Ausnahmen gibt. «Alle Unternehmen sind betroffen», sagte Cazeneuve am Donnerstagmorgen in einem Interview mit dem Fernsehsender BFMTV. «Das ist das Prinzip.»

Ayrault sagte in einem Interview mit der russischen Zeitung «Kommersant» vom Donnerstag, die Franzosen würden «nicht verstehen», wenn der Fussball von der Reichensteuer ausgenommen würde. In schwierigen Zeiten sei es «normal», Solidarität von jenen einzufordern, die die notwendigen Mittel hätten.

Hohe Mehrkosten prognostiziert

Nach Schätzungen des französischen Profifussballs kommen auf die Clubs in der Nationalliga Mehrkosten in Höhe von jährlich rund 44 Millionen Euro zu, falls die Pariser Regierung an ihren Plänen festhält. Diese Schätzung basiert auf den Einnahmen von rund 120 Kickern in 14 Vereinen.

AFP/mrs

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