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Giorgio Napolitano ist zurückgetreten

Nach fast neun Jahren im Amt hat Italiens Präsident seinen Rücktritt unterzeichnet. Jetzt beginnt die komplizierte Suche nach einem Nachfolger.

Krisenmanager in chaotischen politischen Zeiten: Giorgio Napolitano. (Archivbild)
Krisenmanager in chaotischen politischen Zeiten: Giorgio Napolitano. (Archivbild)
AFP

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano ist nach fast neun Jahren im Amt zurückgetreten. Der 89-Jährige unterzeichnete in Rom - wie erwartet - seinen Rücktritt. Damit beginnt in Italien offiziell die Suche nach einem Nachfolger für den beliebten Napolitano.

Die Demokratische Partei (PD) von Regierungschef Matteo Renzi kam am Morgen zu Beratungen zusammen. Der Ministerpräsident muss nun einen mehrheitsfähigen Kandidaten vorstellen, damit es nicht zum gleichen Debakel wie bei der Präsidentenwahl vor zwei Jahren kommt und das Land lahmgelegt wird.

«Wir werden uns mit allen Parteien zusammensetzen», kündigte Vize-Parteichefin Deborah Serracchiani an. Ziel sei es, die Wahl «in einem vernünftigen Zeitraum» abzuwickeln.

Die 1009 wahlberechtigten Abgeordneten, Senatoren und Vertreter der Regionen werden am 29. Januar zur Wahl eines neuen Staatsoberhauptes ein erstes Mal zusammenkommen, wie Abgeordnete am Mittwoch sagten.

Bei der Präsidentenwahl im April 2013 hatten sich die Parteien in mehreren Wahlgängen nicht auf einen neuen Präsidenten einigen können, weshalb für das krisengeschüttelte Land auch dieses Mal politische Turbulenzen befürchtet werden. «Ich habe ein Anliegen: das gleiche Szenario wie 2013 zu verhindern», hatte Renzi in einem Interview betont.

Erster Ex-Kommunist im höchsten Staatsamt

Napolitano hatte schon in seiner Neujahrsansprache vor zwei Wochen angekündigt, aus Altersgründen abzutreten. Der Ex-Kommunist war seit 2006 im Amt und in chaotischen politischen Zeiten ein verlässlicher Krisenmanager, der bei der Bildung mehrerer Regierungen entscheidend beteiligt war. Eigentlich wollte er schon 2013 das Amt abgeben - doch nachdem zwei Kandidaten bei der Wahl gescheitert waren, liess er sich zu einer zweiten Amtszeit überreden.

Zahlreiche Bürger versammelten sich auf dem Platz vor dem Palazzo del Quirinale, dem Präsidentensitz, um auf die Abfahrt Napolitanos zu warten.

Der erste einstmalige Kommunist, der ins höchste Amt des Staates gewählt worden war, kehrte wieder in seine römische Wohnung in der zentralen Via dei Serpenti unweit des Kolosseums zurück, in der er mit seiner Ehefrau Clio bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten 2006 gewohnt hatte.

Die Wohnung liegt nur 300 Meter vom Quirinal entfernt, den Napolitano an Bord eines Dienstautos verliess. Napolitano bleibt der Politik erhalten, denn als ehemaliger Staatschef zieht er als Senator auf Lebenszeit ins Parlament ein.

Prodi und Veltroni als Nachfolger im Gespräch

«Ich schätze Giorgio Napolitano als grossartigen Präsidenten», sagte Vize-Regierungschef Angelino Alfano dem Sender Radio Anch'io. Und weiter: «Es wird sehr schwierig, ihn zu ersetzen.» In Italien werden mehrere Kandidaten als mögliche Nachfolger gehandelt, darunter Roms früherer Bürgermeister Walter Veltroni oder Ex-Ministerpräsident Romano Prodi.

Präsidentenwahlen hatten Italien in der Vergangenheit oft wochenlang gelähmt. Um seine Reformen schnell vorantreiben zu können, will Renzi daher zunächst seine eigene Partei hinter einem Kandidaten versammeln. Danach muss er auch um die Unterstützung des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi und seiner Forza Italia werben.

SDA/ajk

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