Helden-Delfine auf der Krim

Die Ukraine feiert patriotische Delfine, die angeblich lieber sterben, als für die Russen zu arbeiten.

Die treuen Delfine sollen die Nahrung verweigert haben. Foto: Pixabay.com (Symbolbild)

Die treuen Delfine sollen die Nahrung verweigert haben. Foto: Pixabay.com (Symbolbild)

Florian Hassel@SZ

Es waren traurige Tage für die Delfintrainer der ukrainischen Flotte: Als im März 2014 russische Streitkräfte die Krim besetzten, übergaben ihnen die demoralisierten Ukrainer auch das Flotten-Delfinarium im Hafenort Sewastopol – und zogen mit der restlichen ukrainischen Armee kampflos von der Krim ab. Die Delfine würden nun «der Flotte Russlands dienen», verkündete ein russischer Offizier nach der Besetzung. Delfine können mit ihrem hoch entwickelten Sonar nicht nur Minen auf dem Meeresgrund finden, sondern mit Sprengstoff bestückte feindliche U-Boote, Schiffe oder Kampftaucher attackieren.

Mit dem Ende der Sowjetunion war das Delfinarium an die ukrainische Flotte gefallen. Bei der war das Geld lange so knapp, dass die Delfintrainer ihre Schützlinge auch bei der Betreuung behinderter Kinder einsetzten, um die Kasse aufzubessern. Im Oktober 2012 aber beschrieb ein ukrainischer Offizier stolz ein neues Trainingsprogramm. Die Ukrainer brachten ihren Delfinen so viel bei, dass sie beim russischen Verteidigungsministerium für die gemeinsame Verwendung der Delfine auch beim Schutz von Schiffen der russischen Schwarzmeerflotte warben.

Bald meldeten die Russen, dass die Delfine Unterwasserminen selbst in Tiefen unter 60 Metern erfolgreich aufspürten.

Doch im März 2014 war jede Gemeinsamkeit am Ende, die Russen besetzten die Krim. Die russische Marine erarbeitete neue Programme. Bald meldeten die Russen, dass die Delfine Unterwasserminen selbst in Tiefen unter 60 Metern erfolgreich aufspürten.

Das aber ist nur ein Teil der Wahrheit, so der Kiewer Krim-Bevollmächtigte Boris Babin. Der sagte dem Internetdienst «Obozrevatel», dass sich die noch von Ukrainern dressierten Delfine «nicht nur geweigert haben, mit ihren neuen russischen Trainern zusammenzuarbeiten, sondern auch die Nahrung verweigerten – und einige Zeit später starben». Derlei patriotisches Verhalten stehe in krassem Gegensatz zu «sehr vielen ukrainischen Militärs», die 2014 auf der Krim stationiert waren und sich weniger treu verhalten hätten als diese Delfine. Babin spielte darauf an, dass die ukrainischen Streitkräfte den Russen die Krim 2014 kampflos überliessen.

Aus Kummer sterbende Delfine? Tatsächlich berichtete die kalifornische Delfinforscherin Susan Shane schon 1998, dass Delfine in Gefangenschaft manchmal Nahrung bis zum Tod verweigern, wenn im Becken etwa ein anderer Delfin gestorben ist.

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