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«Ich habe korrekt zitiert, nur ohne Gänsefüsschen»

Schon wieder steckt ein deutscher FDP-Politiker im Plagiatssumpf: Die Uni Bonn hat dem Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis den Doktortitel aberkannt. Über die Hälfte des Textes stamme nicht von ihm.

Beim Strahlemann ist der Lack ab: FDP-Europaabgeordneter Jorgo Chatzimarkakis.
Beim Strahlemann ist der Lack ab: FDP-Europaabgeordneter Jorgo Chatzimarkakis.
Reuters
Geständnis unter Tränen: FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin.
Geständnis unter Tränen: FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin.
Keystone
Seine Doktorarbeit hat ihn den Posten gekostet: Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Seine Doktorarbeit hat ihn den Posten gekostet: Der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Keystone
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Die deutsche FDP scheint definitiv kein glückliches Händchen zu haben mit ihren Spitzenpolitikern und deren Doktortiteln. Mitten in den Wirren um die Plagiatsaffäre des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg wurde bekannt, dass sich beim Verfassen ihrer Doktorarbeit auch FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin unlauterer Mittel bediente.

Letzte Woche kam aus, dass sich auch Bernd Althusmann (CDU), der Bildungsminister von Niedersachsen, in seiner Doktorarbeit fremden geistigen Eigentums bedient hat. Als Nächster tritt nun der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis dem munteren Reigen unredlicher Politiker bei. Er ist das neuste Opfer deutscher Plagiatsjäger.

«Das genügt den Anforderungen nicht»

Die Uni Bonn hat dem Europaabgeordneten den Doktortitel abgesprochen, wie die «Süddeutsche» berichtet. Der Fakultätsrat hat laut dem Bericht einstimmig beschlossen, ihm die Doktorwürde abzuerkennen. In der Doktorarbeit gibt es offenbar mehrere Stellen, in denen sich aus anderen Arbeiten entwendete Passagen gefunden haben, die nicht als wörtliche Übernahmen markiert waren.

Über die Hälfte des Textes soll aus fremden Federn stammen. «Das genügt den Anforderungen an eine Doktorarbeit nicht», sagte Günther Schulz, Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Bonn, zur «Süddeutschen».

«Sonst nehme ich eine neue Arbeit in Angriff»

Jorgo Chatzimarkakis reagierte ungehalten auf die Aberkennung seiner Doktorwürde. An einer Pressekonferenz in Brüssel zeigte er sich enttäuscht. «Dass man mir den Doktortitel aberkennt, ist sehr bitter für mich», sagte er. Er kündigte an, um seinen Titel zu kämpfen. Allenfalls sei er auch gewillt, eine zweite Dissertation zu schreiben, wie der 45-Jährige auf seiner Webseite Chatzi.de schreibt.

«Fehler eingestehen fällt manchmal schwer. Dennoch ist nur stark, wer aus Fehlern lernt. Das werde ich jetzt beweisen. Mit der Dissertation wollte ich mein Universitätsstudium krönen.» An diesem Wunsch habe sich nichts geändert. «Ich bin bereit, erneut eine Doktorarbeit in Angriff zu nehmen», teilt er mit.

«Einfach ohne Gänsefüsschen»

Auch für seine Doktorarbeit mit dem Titel «Informationeller Globalismus: Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs» gelte: «Keine Stelle ohne Quelle», schreibt Chatzimarkakis weiter.

«Dass meine im Jahr 2000 gewählte Zitierweise heute als unzureichend angesehen wird, bedauert niemand mehr als ich.» Seine Doktorarbeit sei wohl ein Grenzfall. Alle Quellen seien mit Fussnoten versehen und im Literaturverzeichnis aufgeführt, «einfach ohne Gänsefüsschen».

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