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«Ich wusste nie, ob ich verflucht oder geküsst würde»

Ana Blandiana war 1989 eine der Symbolfiguren des Umbruchs in Rumänien. Unter Diktator Ceaușescu stand sie unter Hausarrest und hatte Publikationsverbot. Bis heute lässt sich der Freigeist von niemandem vereinnahmen.

In Rumänien ist sie eine moralische Instanz: Die Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Ana Blandiana.
In Rumänien ist sie eine moralische Instanz: Die Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Ana Blandiana.
Beat Mathys
«Unser Leid ist unsere Mitgift. Leid und Schmerz sind auch Teil des Kulturgutes eines Volkes», sagt Ana Blandiana.
«Unser Leid ist unsere Mitgift. Leid und Schmerz sind auch Teil des Kulturgutes eines Volkes», sagt Ana Blandiana.
Beat Mathys
1990 war für mich das absolut wahnsinnigste Jahr», sagt Ana Blandiana im Gespräch. Auf dem Universitätsplatz in Bukarest protestierten in jenem Frühling  Hunderttausende gegen die Postkommunisten von Ion Iliescu und dessen Palastrevolte in der rumänischen Hauptstadt. Die Demonstrierenden  fühlten sich um die Früchte des Volksaufstandes betrogen.  In den Weihnachtstagen 1989 waren bei Kämpfen und Schiessereien über 1100 Menschen gestorben.
1990 war für mich das absolut wahnsinnigste Jahr», sagt Ana Blandiana im Gespräch. Auf dem Universitätsplatz in Bukarest protestierten in jenem Frühling Hunderttausende gegen die Postkommunisten von Ion Iliescu und dessen Palastrevolte in der rumänischen Hauptstadt. Die Demonstrierenden fühlten sich um die Früchte des Volksaufstandes betrogen. In den Weihnachtstagen 1989 waren bei Kämpfen und Schiessereien über 1100 Menschen gestorben.
Emanuel Parvu
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Es ist wieder Krieg in Europa, in Ihrem Nachbarland Ukraine – 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges und 25 Jahre nach der Wende. Was läuft da falsch in Europa?

Ana Blandiana: Europas grösste Schuld sehe ich im zu grossen Vertrauen, in der übertriebenen Höflichkeit gegenüber Russland. Sie grenzt an Schmeichelei. Ein berühmtes Zitat von Lenin heisst: «Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen.»

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