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In Bosnien herrscht Frieden, doch das Land steht im Abseits

Vor 20 Jahren begann in Bosnien der Krieg. Die Gesellschaft ist bis heute gelähmt. Die Erinnerung an die Gräuel verunmöglicht eine Annäherung der drei Volksgruppen.

Die Brille des Krieges ist noch nicht abgelegt: Blick durch ein 20 Jahre altes Schrapnellloch auf einen Platz in Sarajevo. (2. April 2012)
Die Brille des Krieges ist noch nicht abgelegt: Blick durch ein 20 Jahre altes Schrapnellloch auf einen Platz in Sarajevo. (2. April 2012)
AFP
Der Schützengraben ist keine Goldgrube, aber immerhin: Beim Schrotthändler bekommt Daut Nezovic zwei Euro pro Kilo Patronenhülsen, die er aus einem Acker nördlich von Sarajevo ausgegräbt. Hier verlief während der Belagerung der Stadt eine Frontlinie. (2. April 2012)
Der Schützengraben ist keine Goldgrube, aber immerhin: Beim Schrotthändler bekommt Daut Nezovic zwei Euro pro Kilo Patronenhülsen, die er aus einem Acker nördlich von Sarajevo ausgegräbt. Hier verlief während der Belagerung der Stadt eine Frontlinie. (2. April 2012)
AFP
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Jahrestage bieten meist die Gelegenheit, dieselben Rituale zu inszenieren, politische Ereignisse nach ihrer historischen Bedeutung einzuordnen und vage in die Zukunft zu blicken. In Sarajevo ist die Erinnerung an die jüngste Geschichte kein Ritual: Wenn an diesem Freitag die Menschen in der bosnischen Hauptstadt den 20. Jahrestag des Kriegsbeginns begehen werden, dann sind keine grossen Reden zu erwarten, sondern symbolische Aktionen. Bürger und Stadtbehörden werden entlang der Tito-Strasse 11 541 rote Stühle stellen, die den ganzen Tag leer bleiben sollen im Gedenken an die Bürger Sarajevos, die während der Belagerung zwischen 1992 und 1995 erschossen wurden. Darunter waren auch über 1600 Kinder. Die Toten sind die bleibende Narbe Sarajevos, einer Stadt, die weltweit bekannt war für ihre multiethnische und multireligiöse Toleranz.

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