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«In Rom geht es zu wie zu den Zeiten der Cäsaren»

Hans Küng kritisiert die bevorstehende Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. heftig. Der Schweizer Theologe verweist auf die «dunklen Seiten» des ehemaligen Oberhaupts des Vatikans.

«Der polnische Papst war intolerant und unwillig zum Dialog»: Hans Küng.
«Der polnische Papst war intolerant und unwillig zum Dialog»: Hans Küng.

Der Theologe Hans Küng kritisiert die am Sonntag geplante Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. Nach Küngs Ansicht taugt der frühere Papst «nicht zum Vorbild» für katholische Gläubige.

Johannes Paul habe «ein autoritäres Lehramt ausgeübt» und «die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt», sagte der Kirchenkritiker der «Frankfurter Rundschau». Diese dunklen Seiten seien im Seligsprechungsprozess unberücksichtigt geblieben. Der polnische Papst sei «intolerant und unwillig zum Dialog» gewesen.

Küng äusserte scharfe Kritik am Vorgehen von Papst Benedikt XVI., der die Seligsprechung seines Vorgängers in Rekordzeit vorangetrieben hatte: «Der Nachfolger spricht den Vorgänger selig? Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben.»

Wie ein absolutistischer Fürst habe Benedikt XVI. das eigene Kirchenrecht gebrochen, um Johannes Paul im Hauruckverfahren seligsprechen zu können.

Ali Agca «sehr glücklich»

Der türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca bezeichnete sich als «sehr glücklich» über die Seligsprechung. Er hätte gern persönlich an der Seligsprechung seines «geliebten Bruders Johannes Paul II.» teilnehmen wollen. Er habe aber von Rom keine Erlaubnis dazu erhalten, erklärte Agca nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Der 53-Jährige, der am 13. Mai 1981 auf Johannes Paul II. geschossen hatte, bezeichnete den polnischen Papst als den «besten Mensch des vergangenen Jahrhunderts».

«Ich hoffe, dass ich bald sein Grab und den Wallfahrtsort Fatima besuchen werde», erklärte Agca. Der Vatikan hatte bereits erklärt, ein Besuch Agcas am Grab des Papstes sei möglich.

Johannes Paul II. hatte das Attentat auf dem Petersplatz schwer verletzt überlebt. Er besuchte Agca später im Gefängnis und verzieh ihm. Agca ist seit Januar auf freiem Fuss.

SDA/mrs

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