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Italienische Jugend ohne Perspektive

Anhaltende Wirtschaftsstagnation und permanent hohe Jugendarbeitslosigkeit sorgen in Italien für Unsicherheit. Drei Viertel der bis zu 35-Jährigen sehen nur im Ausland eine Chance.

Triste Aussichten: Ein Paar studiert das Angebot eines Stellenvermittlers in Mailand. Mangels Perspektiven zieht es viele junge Italiener ins Ausland.
Triste Aussichten: Ein Paar studiert das Angebot eines Stellenvermittlers in Mailand. Mangels Perspektiven zieht es viele junge Italiener ins Ausland.
Keystone

Italien ist kein junges Land. Auf je 100 Jugendliche unter 15 Jahren kommen 160 Menschen über 65 – Tendenz exponentiell steigend. Die demografische Struktur wird derzeit durch die Flüchtlinge leicht korrigiert: 1,9 Neugeburten kommen statistisch auf ein Paar, ohne die Migranten läge der Schnitt bei 1,3. Doch nicht nur der Altersüberhang macht dem Land zu schaffen.

Die anhaltende wirtschaftliche Stagnation und nahezu gleich bleibende Jugendarbeitslosigkeit von den Alpen bis Sizilien von 37,6 Prozent machen Italien zu einem Albtraumland für Jugendliche. Nicht nur viele Flüchtlinge sehen Italien als ein Transitland an zur Passage in den Norden (s. Kasten). Auch viele junge Italiener machen das «bel paese» zum Emigrationsland.

Fast drei Viertel wollen weg

Viele der bereits Abgewanderten sind mit einem Doktortitel, einem Hochschulabschluss oder einer qualifizierten Berufsaus­bildung ausgerüstet. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demos-Coop sehen 73 Prozent der zwischen 25- und 34-Jährigen nur in einer Karriere im Ausland eine Möglichkeit, ihre beruflichen Vorstellungen zu realisieren.

Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt die Rate etwas niedriger bei 59 Prozent, im Bevölkerungsdurchschnitt sind 56 Prozent davon überzeugt, dass die Zukunft nicht in Italien liegt. Diese Antwort korreliert mit jener auf die Frage, ob die Zukunftsaussichten sich bessern werden. Von den 25- bis 34-Jährigen glauben 63 Prozent, die Lage werde sich noch weiter verschlechtern, ähnlich urteilte der Bevölkerungsdurchschnitt (61 Prozent). Nur die Jüngeren waren etwas optimistischer.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, besagt ein berühmtes Sprichwort. Doch den pessimistischen Aus­sagen der jüngsten Umfrage nach ist dies bereits geschehen. Gefragt wurde nach der Wertigkeit, die die jüngeren Italiener den Begriffen Hoffnung, Familie, Demokratie, Italien, Erholung, Terrorismus und Trump zumessen. Der US-Präsident, so die Aussage der 25- bis 34-Jährigen, wachse um 10 Prozent in der Bedeutung, gleich danach kam mit zwei Punkten Abstand der Terrorismus. Schlusslicht dieser Wertung war – und das ist bezeichnend für die Stimmung bei den jungen Italienern – die Hoffnung.

Programme ohne Wirkung

Die traurigen Umfrageergebnisse müssen bei der Zentralregierung in Rom wie eine schallende Ohrfeige wirken. Bei seinem Amtsantritt hatte Matteo Renzi einst eine baldige Erholung der italienischen Wirtschaft und des Arbeitsmarktes versprochen. In den vergangenen drei Jahren sind 200 Millionen Euro in Beschäftigungsprogramme für die Jugend geflossen.

Manch einer fragt sich bei der Wirkungslosigkeit, wohin das Geld gegangen ist. Arbeitsminister Giuliano Poletti beschuldigt seine Vorgängerin, falschen Programmen gefolgt zu sein – eine Methode, von eigener Verantwortung abzulenken, die in Italien gerne praktiziert wird.

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