Zum Hauptinhalt springen

Italiens «Patient eins» ist genesen

Nach langem Koma ist der 38-jährige Mattia wieder zu Hause. Italien könnte indes schon 600’000 Infizierte zählen.

Patient eins musste mehr als zwei Wochen künstlich beatmet werden: Intensivstation im Casalpalocco-Spital in Rom. Foto: Guglielmo Mangiapane, Reuters
Patient eins musste mehr als zwei Wochen künstlich beatmet werden: Intensivstation im Casalpalocco-Spital in Rom. Foto: Guglielmo Mangiapane, Reuters

Es gibt auch gute Nachrichten aus Italien, die beste der letzten Tage handelt von Mattia, dem «Paziente uno», dem Patienten eins aus Codogno. Einen Monat nach der Einlieferung ins Spital und nach langem Ringen um sein Leben konnte der Forscher nach Hause. Der 38-Jährige ist genesen, was trotz seines Alters nicht selbstverständlich ist.

«Ich hatte sehr viel Glück», sagte Mattia nach seiner Entlassung aus dem Policlinico San Matteo in Pavia, wo er behandelt wurde, in einer Audiobotschaft. Alle italienischen Medien veröffentlichten sie. Sein Nachname erscheint nie in den Berichten, auch Fotos von Mattia zeigen die Zeitungen nicht. Um ihn zu schützen. Mattia sagt, er trage schwer an der Last, als «Symbolfigur dieser epochalen Tragödie» zu gelten. Nun hoffe er, er könne mit seinem Appell helfen, dass die Katastrophe bald überwunden werde. «Leben ist atmen», sagte er. «Ich beknie alle: Bleibt zu Hause, haltet euch fern von euren Lieben und Freunden.»

Mattia war am 20. Februar, mitten in der Nacht, mit Fieber und Atemnot in den Notfall seiner Heimatstadt Codogno gegangen und wurde dort positiv auf Corona getestet. Rom verhängte sofort eine «Zona rossa» in und um Codogno, um die Verbreitung des Erregers möglichst schnell zu unterbinden. Erst einige ­Wochen später wurde klar, dass es noch andere Infektionsherde gab im Norden und Codogno vielleicht nicht der erste war.

Mit Lust auf Pizza erwacht

Wer Mattia angesteckt haben könnte, ist bis heute ein Rätsel. Für den möglichen Patienten null hielt man zunächst einen seiner Freunde, einen Manager, der in China arbeitet und auf Heimurlaub war. Die beiden hatten sich mehrmals getroffen. Der Manager litt damals an einer starken Erkältung. Doch als man ihn testete, war er negativ. Und Mattia selber war nie in China.

Sein Zustand war so prekär, dass man zunächst nicht einmal wusste, ob er ins nahe Pavia transportiert werden könne. ­Obschon er immer stark und ­gesund gewesen war, ein leidenschaftlicher Fussballer und Läufer, setzte ihm das Virus so stark zu, dass er mehr als zwei Wochen lang künstlich beatmet werden musste. Die Ärzte versuchten alle möglichen Therapien.

«Auf jeden registrierten Infizierten kommen etwa zehn weitere, die nicht registriert sind.»

Angelo Borrelli, Chef des nationalen Zivilschutzes Italiens

Am 9. März wachte Mattia aus dem Koma auf. Als Erstes, erzählte er, habe er sich nach einer «Pizza mit Gorgonzola und scharfer Salami» gesehnt. Nun ist er wieder daheim bei seiner Frau, die hochschwanger ist. Auch sie war infiziert, überstand Covid-19 aber schon nach kurzer Zeit. Mattias Vater hingegen starb am Virus, während der Sohn im Koma lag.

«Niemand kann jetzt sagen, ob die Krise bis zum Sommerbeginn vorbei ist»: Angelo Borrelli, der Chef des nationalen Zivilschutzes, dämpft alle Hoffnungen. Foto: Keystone
«Niemand kann jetzt sagen, ob die Krise bis zum Sommerbeginn vorbei ist»: Angelo Borrelli, der Chef des nationalen Zivilschutzes, dämpft alle Hoffnungen. Foto: Keystone

Seit einigen Tagen scheint es nun, als flache die Krise in ­Italien ein bisschen ab, allerdings auf hohem Niveau. Die Zahl der Neuansteckungen in der offiziellen Statistik stieg zuletzt etwas ­weniger schnell, auch in der Lombardei. Die Todeszahlen schwanken von Tag zu Tag: 793, 651, 601, 743.

Angelo Borrelli, der Chef des nationalen Zivilschutzes, dämpft unterdessen alle Hoffnungen. Der Zeitung «La Repubblica» sagte er: «Auf jeden registrierten Infizierten kommen etwa zehn weitere, die nicht registriert sind.» Ist dem tatsächlich so, dann gibt es in Italien nicht 60’000 positive Fälle, sondern 600’000, die meisten davon ohne Symptome. Eine viel höhere Fallzahl würde auch die dramatische Sterblichkeitsrate in Italien stark relativieren. Als Borrelli gefragt wurde, ob er denke, dass die Krise bis zum Sommerbeginn vorbei sei, antwortete er: «Niemand kann das jetzt sagen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch