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Kabul will selber über Nato-Gelder bestimmen

Nächstes Jahr ziehen die Isaf-Truppen aus Afghanistan ab. In Brüssel konnten sich die Nato-Staaten vorerst nicht auf eine Strategie für die Zeit danach einigen. Noch ist unklar, wer bezahlt – und wer das Sagen hat.

Die Nato tritt den afghanischen Truppen immer mehr Aufgaben ab: Übergabezeremonie in Nangarhar. (5. Dezember 2012)
Die Nato tritt den afghanischen Truppen immer mehr Aufgaben ab: Übergabezeremonie in Nangarhar. (5. Dezember 2012)
Reuters

Die Nato-Staaten ringen weiter um ihre Afghanistan-Strategie nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende 2014. Die Truppenstärke und Finanzierung der Isaf-Nachfolgemission sind dabei immer noch unklar.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte am Mittwoch in Brüssel, Afghanistan könne nach 2014 mit Ausbildern und mit Finanzhilfen rechnen. Über die Zahl der dann noch erforderlichen internationalen Soldaten - Ausbilder sowie eine «Schutzkomponente» – gebe es aber noch keine Klarheit.

Lagebericht von der Front

Der Kommandant der Afghanistan-Schutztruppe, John Allen, lieferte den Ministern der 28 Nato-Staaten einen Lagebericht von der Front. Nun wartet die Allianz auf militärischen Rat, bevor sie Beschlüsse zur Mannstärke der künftigen Trainings-, Ausbildungs- und Beratungsmission fällt.

Offen ist zudem, wie die Ausbildung und Einsätze einheimischer Polizei- und Armeekräfte künftig finanziert werden sollen.

Die internationalen Partner haben Afghanistan für die Zeit nach 2014 jährliche Hilfen von 4,1 Milliarden Dollar zugesagt. Die Partner fordern bei der Verteilung des Geldes aber erhebliches Mitspracherecht, wie US-Aussenministerin Hillary Clinton sagte. Kabul beansprucht das letzte Wort über die Ausgaben für sich.

Rasmussen gibt sich optimistisch

Generell soll das vom jahrelangen Krieg zerrüttete Land nach dem Willen der Nato schrittweise selbst die Sicherheitsverantwortung und die damit verbundenen Kosten übernehmen. Dabei befinden sich die Afghanen laut Nato-Generalsekretär Rasmussen auf gutem Weg.

«Die afghanische Polizei und Armee übernehmen schon jetzt die Sicherheitsverantwortung für Dreiviertel der Bevölkerung», sagte Rasmussen. Vier von fünf Militäreinsätzen würden bereits von einheimischen Truppen geführt, die Ausbildung der Sicherheitskräfte liege zu 90 Prozent in afghanischer Hand. «Unsere Strategie funktioniert und mit unserem Zeitplan liegen wir auf Kurs.»

Trotz Rasmussens Optimismus bleiben die Opferzahlen in Afghanistan hoch. Allein dieses Jahr wurden mindestens 384 Nato-Soldaten getötet, nach Angaben der afghanischen Sicherheitskräfte kommen monatlich rund 300 Opfer in ihren eigenen Reihen hinzu.

Gegenwärtig sind noch rund 100'000 Nato-Soldaten aus 50 Nationen in Afghanistan stationiert. Nach dem Abzug soll die afghanische Nationalpolizei zusammen mit der staatlichen Armee für die Sicherheit im Land sorgen – und eine Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht verhindern.

Verzögerungen beim Aufbau der Sicherheitskräfte

Beim Aufbau der Sicherheitskräfte gibt es allerdings Verzögerungen: Die für Oktober 2012 angepeilten 352'000 Mann werden nach Angaben der Nato-Militärführung nun wohl erst im Frühjahr 2013 erreicht.

Grund dafür sind laut dem kanadischen General Jim Ferron Probleme bei der Aushebung der Sicherheitskräfte. Nachdem dieses Jahr schon mehr als 60 Nato-Soldaten durch Angreifer aus den eigenen Reihen oder in falschen Uniformen getötet wurden, fuhr die Allianz ihre Sicherheitsvorkehrungen hoch.

Potenzielle Rekruten müssen nun unter anderem Empfehlungsschreiben ihrer Stammesältesten vorweisen und werden biometrisch registriert. Dieses System müsse aber noch landesweit vereinheitlicht werden, sagte Ferron.

SDA/mw

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