Lebenslänglich für Beate Zschäpe – Verteidigung legt Revision ein

Historischer NSU-Prozess: Höchststrafe für die Hauptangeklagte und Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren für vier Helfer. Die Urteile und die Reaktionen.

NSU-Urteil: Das sagen Verteidigung und Staatsanwalt. (Video: Tamedia/SDA)
Video: AFP

(vin/sz)

(Erstellt: 11.07.2018, 08:05 Uhr)

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Zschäpe am NSU-Prozess Der NSU-Prozess geht in die entscheidende Phase: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe verweigert lange eine Aussage.

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Die Mordserie des NSU

Neun Ausländer und Polizistin getötet

Im Herbst 2000 begann die rechtsextrem motivierte Mordserie des NSU, dem auch Beate Zschäpfe angehörte. Unentdeckt von der Polizei sollen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in ihrem Leben im Untergrund neun Migranten und eine Polizistin erschossen haben. Ein Überblick:

ENVER SIMSEK war das erste NSU-Mordopfer. Der aus der Türkei stammende 38-Jährige wurde am 9. September 2000 vor seinem mobilen Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen niedergeschossen und starb zwei Tage später im Krankenhaus.

ABDURRAHIM ÖZUDOGRU ist das zweite von insgesamt drei Opfern aus Nürnberg. Der ebenfalls türkischstämmige 49-Jährige wurde am 13. Juni 2001 durch zwei Kopfschüsse in seiner Änderungsschneiderei getötet.

SÜLEYMAN TASKÖPRÜ starb zwei Wochen später am 27. Juni 2001 in einem von seinem Vater betriebenen Obst- und Gemüseladen in Hamburg-Bahrenfeld. Der 31 Jahre alte Vater einer Tochter starb wie Simsek durch Schüsse aus zwei Pistolen, einer als Haupttatwaffe der NSU-Morde geltenden Ceska und einer Bruni Modell 315.

HABIL KILIC wurde am 29. August 2001 in seinem Obst- und Gemüseladen in München erschossen, er wurde 38 Jahre alt. Nach dieser Tat sollen Böhnhardt und Mundlos bis 2004 keine weiteren Morde begangen haben.

MEHMET TURGUT ist das fünfte NSU-Mordopfer. Er starb am 25. Februar 2004 durch drei Kopfschüsse vor einem Dönerimbiss in Rostock. Der 25 Jahre alte Turgut war erst kurz vorher aus Hamburg nach Rostock gekommen und wollte am Tattag spontan als Aushilfe in dem Imbiss seines Freunds arbeiten.

ISMAIL YASAR wurde am 9. Juni 2005 in seinem Nürnberger Dönerimbiss erschossen. Er wurde 50 Jahre alt und stammte wie acht der Opfer aus der Türkei. Nach diesem sechsten Mordfall sprach die Polizei fälschlicherweise offen davon, die bisherigen sechs Opfer könnten «in Verbindung mit türkischen Drogenhändlern aus den Niederlanden» stehen. Dass mehrere Zeugen am Tatort zwei Männer auf Fahrrädern sahen, brachte die Polizei noch immer nicht auf die richtige Spur.

THEODOROS BOULGARIDES starb am 15. Juni 2005 im Laden seines Schlüsseldiensts in München. Der zweifache Vater wurde 41 Jahre alt, er hinterliess Frau und zwei Kinder. Boulgarides ist das einzige Opfer mit griechischen Wurzeln.

MEHMET KUBASIK wurde am 4. April 2006 in seinem Kiosk in Dortmund erschossen. Kubasik wurde 39 Jahre alt, der Deutschtürke hinterliess Frau und drei Kinder.

HALIT YOZGAT wurde nur zwei Tage später mit zwei Kopfschüssen in einem von ihm betriebenen Internetcafé getötet. Yozgat war mit 21 Jahren das jüngste NSU-Opfer. Während der Tatzeit befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes in dem Internetcafé - dieser bestreitet, etwas von der Tat mitbekommen zu haben.

MICHÈLE KIESEWETTER starb am 25. April 2007 durch einen gezielten Kopfschuss auf einem Parkplatz in Heilbronn. Die 22 Jahre alte Polizistin machte dort zusammen mit einem Kollegen eine Pause. Dieser erlitt ebenfalls einen Kopfschuss, überlebte aber. Da es in diesem Fall keinen fremdenfeindlichen Hintergrund gibt, könnte Waffenbeschaffung oder eine Machtdemonstration gegenüber dem Staat ein Tatmotiv sein: Mundlos und Böhnhardt stahlen die Waffen der beiden Polizisten. Mit dem Mord an Kiesewetter endete die NSU-Mordserie. Danach lebten Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe noch viereinhalb Jahre unerkannt im Untergrund weiter. (vin/afp)

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