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Macron ruft zu Streikpause auf

Der Streik in Frankreich hat den Vorweihnachtsverkehr fast zum Erliegen gebracht. Der Präsident appelliert derweil an den Familiensinn der Bahnmitarbeiter.

Der überfüllte Gare de Lyon in Paris am 20. Dezember 2019. Bild: Yoan Valat (Keystone)
Der überfüllte Gare de Lyon in Paris am 20. Dezember 2019. Bild: Yoan Valat (Keystone)

Auch nach zweieinhalb Wochen ist in Frankreich kein Ende des Bahnstreiks in Sicht. Wer einen Zug bekommt, darf sich glücklich schätzen. Macron appelliert aus Afrika für eine Streikpause.

Streikende Bahnmitarbeiter haben den französischen Schienenverkehr am Vorweihnachtswochenende teilweise zum Erliegen gebracht. Wie Frankreichs staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte, fuhren im Schnitt nur etwa die Hälfte der Hochgeschwindigkeitszüge TGV. Auch der Regionalverkehr war weiterhin stark gestört.

Seit rund zweieinhalb Wochen lähmen Proteste und Streiks gegen die geplante Rentenreform der Mitte-Regierung von Emmanuel Macron das Land. Vor Weihnachten brechen viele Franzosen traditionell in die Ferien und zu Familienbesuchen auf.

Staatschef Macron rief von Westafrika aus zu einer Streikpause auf. Es gebe Französinnen und Franzosen, die sich an den Feiertagen wiedersehen wollten, das müsse berücksichtigt werden, sagte der 42-Jährige in Abidjan am späten Samstagabend. Die von Macron und der Mitte-Regierung gewünschte Unterbrechung zu Weihnachten zeichnete sich allerdings nicht ab. Mehrere Gewerkschaften hatten dazu aufgerufen, den Arbeitskampf fortzusetzen.

Wegen des Ausstands ist nur eine sehr begrenzte Anzahl von Zugfahrten aus dem Südwesten Deutschlands nach Frankreich möglich. Betroffen sind nach Angaben der Deutschen Bahn die Verbindung von Frankfurt/Main über Mannheim nach Marseille sowie die Verbindung Stuttgart über Strassburg nach Paris. Die Bahn empfahl daher, solche Reisen erst nach Ende des Streiks - voraussichtlich am 5. Januar 2020 - anzutreten oder andere Verkehrsmittel zu nutzen. Bereits gebuchte Fahrkarten für die betroffenen Strecken könnten kostenfrei storniert oder umgebucht werden.

In Paris wird weiter die Nahverkehrsgesellschaft RATP bestreikt, viele Metrolinien der Millionenmetropole verkehren nicht. Inzwischen machen sich erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen des Dauerstreiks bemerkbar - vor allem in der Touristenhochburg Paris. Laurent Duc vom Hotellerieverband UMIH sagte dem Radionachrichtensender Franceinfo, die Reservierungen seien um 40 bis 50 Prozent eingebrochen, deutliche Preisnachlässe seien die Folge. Klagen gibt es aus dem Einzelhandel und aus Kaufhäusern.

Lange Schlangen vor den Schaltern

An den Fernbahnhöfen der Hauptstadt bildeten sich lange Schlangen vor den SNCF-Schaltern. Zahlreiche Fahrgäste mussten Fahrscheine umtauschen, weil ihr Zug ausgefallen war. «Ich habe Glück gehabt und den letzten freien Platz erwischt», erzählte eine Frau aus Paris. Gegen den Streik habe sie grundsätzlich nichts einzuwenden, finde ihn an den Festtagen jedoch übertrieben.

Nach scharfer Kritik von Kunden setzte die SNCF nach eigenen Angaben am Sonntag kurzfristig 14 TGV ein, die für alleinreisende Kinder bestimmt waren. Der Service für unbegleitete Kinder zwischen 4 und 14 Jahren sollte zunächst ausgesetzt werden.

Am Gare Montparnasse im Südwesten der Hauptstadt fuhren TGV nach Bordeaux, Nantes oder Rennes. «Die Kunden sind vorbereitet, sie informieren sie über ihr Smartphone», meinte ein SNCF-Mitarbeiter. Wie französische Medien berichteten, stiegen viele Bahnkunden inzwischen auf Fernbusse oder Inlandsflüge um.

Verhärtete Fronten

In dem sozialen Konflikt sind die Fronten verhärtet. Gespräche der Regierung mit den Gewerkschaften waren auf Januar vertagt worden. Die Regierung will die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und ein Einheitssystem schaffen. Die Franzosen sollen auch dazu angehalten werden, länger zu arbeiten. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Franzosen gegen die Reform.

Die Reform werde auch Staatschef Macron selbst betreffen, wie Élyséekreise bestätigten. Demnach will er nicht eine besondere Rente erhalten, die Staatschefs nach ihrem Ausscheiden eigentlich zusteht. Stattdessen will er auch Teil des Universalsystems sein, das für alle Franzosen gelten soll. Es gehe darum, ein Beispiel zu geben und konsequent zu sein. Laut weiteren Informationen der Nachrichtenagentur AFP beträgt die Sonderrente monatlich rund 6200 Euro brutto.

SDA/sep

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