Macron verteidigt trotz Streiks Rentenreform

Frankreichs Präsident machte in seiner Neujahrsansprache deutlich, dass die umstrittene Reform in der ursprünglichen Form umgesetzt werde.

Mit der umstrittenen Rentenreform will Emmanuel Macron die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und damit auch zahlreiche Sonderrechte abschaffen. (Archivbild Keystone)

Mit der umstrittenen Rentenreform will Emmanuel Macron die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und damit auch zahlreiche Sonderrechte abschaffen. (Archivbild Keystone)

Nach fast einem Monat andauernden Streiks gegen die Rentenreform hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron deutlich gemacht, dass er von dem Projekt nicht abrücken wird. Die Rentenreform werde umgesetzt, sagte Macron am Dienstagabend in der traditionellen Neujahrsansprache.

Wer «schwere Arbeit» leiste, solle die Möglichkeit haben, «früher aufzuhören», versicherte der Staatschef. Er hoffe auf einen «schnellen Kompromiss» mit den Gewerkschaftsführern. Die Gewerkschaften hatten gehofft, dass Macron in seiner Fernsehansprache Abstriche von der Reform ankündigt.

Es handle sich um ein Projekt für Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt, sagte Macron. Er sei sich bewusst, dass getroffene Entscheidungen manchmal auf Widerstand stossen. «Sollten wir es aufgeben, unser Land und unseren Alltag zu verändern? Nein», so der Staatschef.

Mit der umstrittenen Rentenreform will die französische Mitte-Regierung die Zersplitterung in 42 verschiedene Einzelsysteme beenden und damit auch zahlreiche Sonderrechte abschaffen. Ausserdem sollen die Franzosen dazu angehalten werden, länger zu arbeiten. Die Reform war ein wichtiges Wahlversprechen Macrons - sie ist für ihn besonders nach der «Gelbwesten»-Krise zur Bewährungsprobe geworden.

Finanzierung soll sichergestellt werden

Seit Beginn der Streiks hielt sich der Staatschef mit öffentlichen Äusserungen auffallend zurück. Der Dauerstreik legt seit dem 5. Dezember vor allem den öffentlichen Nahverkehr in Paris und den Fernverkehr im Land lahm.

«Ich verspreche Ihnen heute Abend, dass ich all meine Energie darauf verwenden werde, unser Land zu transformieren, um es stärker, gerechter und menschlicher zu machen», erklärte der Präsident. Bedenken dürften dabei nicht zur Untätigkeit führen.

Macron verteidigte auch, dass die Franzosen erst mit 64 Jahren in Rente gehen sollen, wenn sie die vollen Bezüge erhalten wollen. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Frankreich bei 62 Jahren - das soll beibehalten werden. Es soll sichergestellt werden, dass das Rentensystem auch finanziert werden kann.

Macron erwarte nun, dass die Regierung schnell eine Lösung mit den Gewerkschaften finden werde, die wollen. Doch diese zeichnete sich bisher nicht ab. Auch auf eine Streikpause zu den Feiertagen liessen sich die Gewerkschaften nicht ein. Die Regierung will erst am 7. Januar wieder mit den Sozialpartnern zusammenkommen.

sep/sda

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