Massaker am Golan – und die Österreicher schauen zu

Österreichische UN-Blauhelme liessen neun syrische Polizisten in einen Hinterhalt laufen und filmten deren Ermordung. Nun läuft eine Untersuchung.

Österreichische Uno-Soldaten warnen syrische Polizisten nicht vor einem Hinterhalt und filmen dann das Blutbad: Diese Videoszenen wurden dem Wiener Stadtmagazin «Falter» zugespielt, welches den Zwischenfall nun publik machte. (Video: Falter/Tamedia)

Uno-Blauhelme aus Österreich stehen im Verdacht, syrische Polizisten auf den Golanhöhen nicht vor einer Todesfalle gewarnt zu haben. Ein von der Wochenzeitschrift «Falter» am Freitag veröffentlichtes Video scheint zu zeigen, wie neun Syrer in einem Hinterhalt in einem Kugelhagel sterben.

Die Uno-Soldaten, die nur zu hören und nicht zu sehen sind, scheinen den Vorfall im September 2012 selbst gefilmt zu haben. Die Regierung in Wien hat nun am Samstag eine Untersuchung dazu eingeleitet.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, teilte auf Twitter mit, eine Untersuchungskommission habe am Samstag ihre Arbeit aufgenommen. Die Uno werde zur Mitarbeit eingeladen.

«Wenn einer überbleibt, schiesst er uns ab»

Der Vorwurf lautet, dass die Soldaten des Grenzpostens die syrischen Geheimpolizisten bewusst passieren liessen, obwohl sie von der Gefahr gewusst hätten. Videosequenzen zeigen, wie sich die Kriminellen - im Video als syrische Schmuggler bezeichnet - zuvor in der kargen Berglandschaft einrichten.

Die Blauhelme besprechen im Video auch, ob sie die Syrer nicht warnen hätten sollen. Begründung: «Wenn da einer überbleibt, kommt er rüber und schiesst uns ab», ist ein Mann umgangssprachlich zu hören. Nach dem von den Soldaten bezeichneten «Himmelfahrtskommando» diskutieren die Blauhelme darüber, ob es noch Sinn hat, eine Ambulanz zu schicken.

Eine multinationale Uno-Truppe auf den Golanhöhen überwacht seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Syrien und Israel. Es ist einer der längsten Einsätze der Uno-Blauhelme. Österreich war von Beginn an mit dabei und es war für das österreichische Heer der bedeutenste Einsatz, wegen dem sie oft auch andere Missionen ablehnten.

2013 beendete Österreich seinen Uno-Einsatz auf dem Golan nach 39 Jahren. Der Rückzug war überraschend und bis heute wurde nicht beantwortet, weshalb der Einsatz beendet wurde. Der «Falter» spekuliert nun, dass der Vorfall mit dem Massaker einen Zusammenhang zum Rückzug haben könnte.

anf/bo/sda

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