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Mehrere Verletzte bei Generalstreik in Griechenland

Aus Protest gegen das Sparprogramm der Regierung legen die griechischen Gewerkschaften mit einem Generalstreik das öffentliche Leben lahm. Auch im Parlament regt sich Widerstand.

Demonstranten werfen Brandbomben gegen die Polizei. (15. Juni 2011)
Demonstranten werfen Brandbomben gegen die Polizei. (15. Juni 2011)
Reuters
Greift rigoros durch: Die Polizei verhaftet einen Demonstranten. (15. Juni 2011)
Greift rigoros durch: Die Polizei verhaftet einen Demonstranten. (15. Juni 2011)
Keystone
Auch für diesen Demonstranten gibt es kein Durchkommen. (15. Juni 2011)
Auch für diesen Demonstranten gibt es kein Durchkommen. (15. Juni 2011)
Keystone
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Mit einem 24-stündigen Generalstreik und Massendemonstrationen haben zehntausende Griechen am Mittwoch den Druck auf die Regierung weiter erhöht. Am Rande der grössten Protestaktion gegen den staatlichen Sparkurs wurden bei Zusammenstössen zwischen hunderten Demonstranten und der Polizei mindestens zehn Menschen verletzt. Der Generalstreik legte weite Teile des öffentlichen Lebens lahm.

Auf dem zentralen Syntagma-Platz in der Hauptstadt warfen Jugendliche Brandbomben und Steine und zertrümmerten die Fensterscheiben eines Luxushotels. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mülleimer standen in Brand, Tische und Stühle umliegender Cafés lagen auf der Strasse. Zuvor war die Demonstration mit mehr als 25'000 Teilnehmern noch weitgehend friedlich verlaufen. Auch in der Stadt Thessaloniki gingen 20'000 Menschen auf die Strasse.

Die Menge forderte auf dem Syntagma-Platz in Sprechchören den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Nach Polizeiangaben wurden etwa 20 Demonstranten kurzzeitig festgenommen, nachdem sie versucht hatten, Abgeordnete am Betreten des Parlaments zu hindern. Als die Fahrzeuge von Papandreou und Präsident Karolos Papoulias vorbeifuhren, waren aus der Menge Buhrufe zu hören. Etwa 5000 Polizisten waren im Einsatz, um die Demonstranten vom Parlament fernzuhalten.

«Wie sollen wir von 900 Euro leben?»

«Was sollen wir machen?», sagte die Krankenschwester Dimitra Nteli, die mit ihrer Tochter an der Demonstration teilnahm. «Wir müssen kämpfen, für unsere Kinder und für uns. Ich verdiene nach 25 Berufsjahren 1100 Euro im Monat. Jetzt wird mein Gehalt auf 900 Euro fallen. Wie sollen wir davon leben?»

Ntelis 26-jährige Tochter Christina sagte, sie bemühe sich wegen der schlechten Aussichten in Griechenland nun um einen Studienplatz im Ausland. «Ich habe hier keine Arbeit. Es gibt keine Perspektive.» Der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, sagte, von dem wenigen, was den Arbeitern geblieben sei, wolle die Regierung noch mehr streichen.

Die Kundgebungen waren Teil des Generalstreiks, in dessen Folge Busse, Bahnen und Schiffe nicht fuhren. Krankenhäuser erhielten nur einen Notdienst aufrecht, Fernseh- und Radiosendungen fielen aus. Der Flugverkehr war von dem Ausstand indes nicht betroffen. Die Fluglotsen hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Mehrheit der Sozialisten im Parlament schrumpft

Schon in der Vergangenheit war es bei Protestaktionen häufig zu gewaltsamen Zusammenstössen gekommen. Im Mai kamen drei Bankangestellte ums Leben, nachdem randalierende Demonstranten während einer Massenkundgebung die Bank angezündet hatten.

Die Regierung muss das Sparpaket über 28 Milliarden Euro für die Jahre 2012 bis 2015 noch in diesem Monat durch das Parlament bringen, um weitere Finanzhilfen der EU und das Internationalen Währungsfonds zu bekommen. Um die geplanten Einsparungen zu erreichen, musste Papandreous Sozialistische Partei ihr Versprechen brechen, die Steuern nicht weiter zu erhöhen.

Auf starken Widerstand stösst auch die Privatisierung von Staatsbetrieben, die 50 Milliarden Euro einbringen soll. Ein Abgeordneter der Sozialisten hat schon angekündigt, gegen die Vorhaben zu stimmen, ein weiterer wird dies voraussichtlich tun. Die Mehrheit für Papandreou schrumpft damit auf vier Stimmen.

dapd/jak, pbe

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