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Merkel bittet um Verzeihung

Eindrucksvolle Feier: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Opfer der Neonazi-Mordserie gedacht. Jahrelang standen deren Familienangehörige unter Generalverdacht. Die Wut und Trauer sind gross.

«Diese Jahre müssen für sie ein Albtraum gewesen seien»: Angela Merkel in Berlin. (23. Februar 2012)
«Diese Jahre müssen für sie ein Albtraum gewesen seien»: Angela Merkel in Berlin. (23. Februar 2012)
AFP
Merkel entschuldigt sich: Die Bundeskanzlerin steht während der Trauefeier in Berlin zwischen den türkischen Opferfamilien der Neonazi-Morde. (23. Februar 2012)
Merkel entschuldigt sich: Die Bundeskanzlerin steht während der Trauefeier in Berlin zwischen den türkischen Opferfamilien der Neonazi-Morde. (23. Februar 2012)
Keystone
Das Neonazi-Trio hatte zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizeibeamtin ermordet.
Das Neonazi-Trio hatte zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizeibeamtin ermordet.
Keystone
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Bei einer eindrucksvollen Feier in Berlin bat Kanzlerin Angela Merkel die Angehörigen um Entschuldigung, dass sie zeitweise unter Verdacht geraten waren. Staat und Gesellschaft demonstrierten an diesem Tag ihre feste Entschlossenheit, rechtsterroristische Gewalt und Fremdenfeindlichkeit abzuwehren. Gut drei Monate nach Aufdeckung der Mordserie wurden in zahlreichen Städten mit einer Schweigeminute an die Opfer erinnert.

Ein Neonazi-Trio hatte zwischen 2000 und 2007 neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizeibeamtin ermordet. Merkel versprach in ihrer Rede zudem eine vollständige Aufklärung der Mordserie. «Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären, die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen», sagte sie.

Die Hintergründe der Morde hätten «viel zu lange im Dunkeln gelegen». Zu wenige in Deutschland hätten es für möglich gehalten, dass rechtsextremistische Tendenzen dahinter steckten. Viele Angehörige seien über Jahre hinweg selbst im Visier der Sicherheitsbehörden gewesen.

Jahre des Alptraums

«Diese Jahre müssen für sie ein Albtraum gewesen seien», sagte Merkel. «Das ist besonders beklemmend, dafür bitte ich Sie um Verzeihung.» Die CDU-Vorsitzende sagte weiter, niemand könne «die Trauer und die Verlassenheit auslöschen». Sie bekräftigte jedoch: «Wir alle können Ihnen heute zeigen, Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer. Wir fühlen mit Ihnen, wir trauern mit Ihnen.»

Semiya Simsek, die Tochter eines der Mordopfer, warf der Polizei schwere Versäumnisse im Umgang mit ihrer Familie vor. «Elf Jahre lang durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein», sagte Simsek. Semiya Simseks Vater, Enver Simsek, war Blumenhändler in Nürnberg und wurde am 9. September 2000 erschossen. Nach dem Mord, so berichtete Semiya Simsek, habe ihre Mutter unter Verdacht gestanden, ihren Ehemann ermordet zu haben.

Die Familie unter Generalverdacht

Auch sei ihr Vater verdächtigt worden, ein krimineller Drogenhändler gewesen zu sein. «Lasst uns verhindern, dass das auch anderen Familien passiert», forderte Simsek in ihrer Ansprache. Zu den Teilnehmern der Feier, die Regierung, Bundestag und Bundesrat vereinbart hatten, gehörten Schulklassen und Sportvereine, die sich im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit engagieren. Vertreten war neben der gesamten politische Führung eine Delegation des türkischen Parlaments.

dapd/jak

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