Zum Hauptinhalt springen

Millionenbetrug in Portugals Fussball: Spuren in die Schweiz

Vieles deutet darauf hin, dass der 2004 bei Transfers von Spielern geschädigte Club der FC Porto ist.

Dubiose Transferkommissionen: Die Fussballer Paulo Ferreira und Ricardo Carvalho vom FC Chelsea.
Dubiose Transferkommissionen: Die Fussballer Paulo Ferreira und Ricardo Carvalho vom FC Chelsea.
Keystone

Die Generalstaatsanwaltschaft von Portugal führt seit Jahren ein Strafverfahren wegen Betrugs und anderer Delikte rund um mehrere Transfers von Fussballspielern zwischen 2003 und 2006. Im März 2010 ersuchten die portugiesischen Untersuchungsbehörden die Schweiz um Rechtshilfe, da sie davon ausgehen, dass beim Transfer von vier Fussballern sehr grosse und nicht erklärbare Kommissionen über zwei Banken in Zürich und in Lugano auf Konten von Offshoregesellschaften verschoben wurden.

Ein Jahr später verfügte die Staatsanwaltschaft in Zürich die Herausgabe der Bankunterlagen, später wies sie die Banken an, die Kontoinhaber zu informieren. Die Anwälte mehrerer Offshoregesellschaften zogen den Fall im Juni 2011 an das Bundesstrafgericht weiter, das ihre Beschwerden gegen die Auslieferung der Bankunterlagen abgewiesen hat. Die Ermittler in Portugal werden demnach erfahren, an wen Millionen von Euro an Transferkommissionen über die beiden Schweizer Banken geflossen sind.

Flossen Gelder an «Dirigenten»?

In der Strafuntersuchung in Portugal, die gegen unbekannt läuft, geht es um hohe Summen. So hat der im Entscheid nicht genannte portugiesische Club im Juni 2004 die Sportrechte an einem Fussballspieler für 20 Millionen Euro verkauft. Gestützt auf diesen Transfer sei einen Monat später eine Kommission von knapp 1,8 Millionen Euro auf ein Schweizer Konto einer Gesellschaft mit Sitz in Gibraltar geflossen. Im Juli 2004 habe der Club die Rechte an einem weiteren Spieler für 30 Millionen Euro an den gleichen Club verkauft wie beim ersten Transfer. Der zweite Transfer habe zwei Kommissionszahlungen ausgelöst: Im August 2004 wurden aufs gleiche Konto der Gibraltar-Firma knapp 1,4 Millionen Euro transferiert, einen Monat später weitere 1,4 Millionen Euro aufs Konto einer Firma in Irland.

Der Vermittler der Transfers sei bekannt, es sei deshalb nicht nachvollziehbar, warum die 4,5 Millionen Euro Kommissionen an die Offshorefirmen flossen. Auch sei unklar, welche Leistungen die Briefkastenfirmen erbrachten, die solche Summen rechtfertigten. Portugal vermutet, «dass diese Zahlungen zulasten des Fussballclubs und zugunsten der Dirigenten des Fussballclubs und/oder Dritten erfolgt seien», heisst es im Entscheid des Bundesstrafgerichts. Kurz darauf habe der Club einen Spieler für 3 Millionen Euro gekauft, worauf 1,5 Millionen Kommission geflossen aufs Konto besagter irischer Firma flossen. Hier gebe es «keine Zweifel», dass die Kommission «übertrieben hoch» sei.

FC Porto: Keine Stellungnahme

Vieles deutet darauf hin, dass es sich beim mutmasslich geschädigten Club um den FC Porto handelt. Es müsse sich in den zwei Fällen um die Transfers der portugiesischen Fussballer Paulo Ferreira und Ricardo Carvalho handeln, sagte ein Fussballkommentator des portugiesischen Fernsehens dem TA. In der Tat sind die beiden Fussballer im Sommer 2004 exakt zu den im Entscheid des Bundesstrafgerichts angegebenen Daten und Summen vom FC Porto an den gleichen Club verkauft worden – nämlich an Chelsea in Grossbritannien. Der FC Porto war gestern Abend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Anwälte der Offshorefirmen argumentierten, die blosse Zahlung von Kommissionen sei selbst bei hohen Beträgen nicht strafbar. Es gebe in Portugal weder eine Regelung noch eine Praxis. Es fehle die für Rechtshilfe erforderliche Strafbarkeit in beiden Ländern. Das Bundesstrafgericht wies die «Rügen als unbegründet» ab, die Voraussetzungen für die Auslieferung der Bankdaten an Portugal seien erfüllt. Wie das Strafverfahren in Portugal ausgeht, ist offen. Wie immer in solchen Fällen gilt die Unschuldsvermutung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch