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Mit radikalen Massnahmen langsam zurück in die Normalität

Der Luftraum in Spanien ist seit dem späten Nachmittag wieder geöffnet. Um den Fluglotsenstreik aufzuheben, musste die spanische Regierung den ersten Alarmzustand seit 1975 ausrufen.

Nach dem Streik: Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba kündigt Konsequenzen an.
Nach dem Streik: Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba kündigt Konsequenzen an.
Keystone
Das lange Warte: Auch am Samstag ist keine Bewegung in den Fluglotsenstreik gekommen. Am Flughafen von Bilbao.
Das lange Warte: Auch am Samstag ist keine Bewegung in den Fluglotsenstreik gekommen. Am Flughafen von Bilbao.
Keystone
Politiker im Wartezustand: Auch Oppositionsführer Mariano Rajoy steckt am Flughafen von Lanzarote fest.
Politiker im Wartezustand: Auch Oppositionsführer Mariano Rajoy steckt am Flughafen von Lanzarote fest.
Keystone
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Einen Tag nach dem Beginn des unangekündigten Fluglotsenstreiks in Spanien hat sich die Lage nach der Ausrufung des Alarmzustands und der Androhung von Strafverfahren vor Militärgerichten am Samstag entspannt. Ein Grossteil der Lotsen kehrte bis zum Nachmittag zur Arbeit zurück, und der Luftraum wurde wieder geöffnet.

Verkehrminister José Blanco sagte im spanischen Fernsehen, der Luftraum sei wieder «vollständig geöffnet». Obwohl «praktisch alle Kontrolleure» an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt seien, könne es aber noch «24 bis 48 Stunden» dauern, bis sich der Flugverkehr normalisiert habe, fügte er hinzu. Nach Angaben der Flughafengesellschaft AENA waren etwa 300'000 Flugpassagiere vom Streik betroffen.

Flugverkehr verzögert sich noch

Laut AENA konnten erste Flugzeuge am Samstagnachmittag wieder starten, darunter in Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca und Gran Canaria. Der reguläre Flugverkehr könne aber nicht ohne weitere Verzögerungen wieder aufgenommen werden. Die Fluggesellschaften müssten erst ihre Flugpläne neu erstellen und Piloten, Kabinenpersonal und die Passagiere darüber informieren.

Die Fluggesellschaft Swiss annullierte am Samstag 18 Flüge zwischen der Schweiz und Spanien. Dies entspricht zwei Dritteln ihrer Flüge zu und von spanischen Destinationen an diesem Tag, wie Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel der Nachrichtenagentur SDA sagte. Der Flughafen Zürich-Kloten allein verzeichnete 24 annullierte Flüge aller Fluggesellschaften zwischen der Schweiz und Spanien. Für Genf und Basel waren noch keine Zahlen erhältlich.

Protest gegen Regierungspläne

Etwa 90 Prozent der rund 2300 spanischen Fluglotsen hatten am Freitagnachmittag spontan die Arbeit niedergelegt, um gegen Regierungspläne für Arbeitszeitverlängerungen zu protestieren.

Der spanische Luftraum wurde daraufhin fast vollständig gesperrt. Hunderte Flüge fielen aus, mindestens 250'000 Passagiere sassen nach Angaben der Flughafenbetreiber fest. Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero stellte die Luftraumkontrolle vorläufig unter die Aufsicht der Armee.

Erstmals wieder Alarmzustand

Erstmals seit mehr als 30 Jahren rief die spanische Regierung den Alarmzustand aus. Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba drohte nach einer Krisensitzung der Regierung, die Streikenden wegen Ungehorsams vor militärische Strafgerichte zu stellen. Die Ausrufung des Alarmzustands erfolgte zum ersten Mal seit dem Ende des Franco- Regimes im Jahr 1975.

Vor der allmählichen Rückkehr der Fluglotsen sagten die spanische Fluggesellschaft Iberia, Air France, KLM, Ryanair, Easyjet und andere Airlines alle Flüge bis Sonntagmorgen ab. Der Streik kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, weil er mit dem Beginn eines langen Wochenendes in Spanien zusammentraf.

Im Streit mit den Fluglotsen hatte die unter massiven Sparzwängen stehende Regierung in Madrid am Freitag beschlossen, eine maximale Arbeitszeit von 1670 Stunden pro Jahr festzuschreiben. Dabei sind Zeiten, in denen die Lotsen nicht in der Flugüberwachung tätig sind, nicht einbezogen.

Die Fluglotsengewerkschaft kritisierte, damit würden etwa Krankheitstage nicht mehr als Arbeitszeit gerechnet. Die Entscheidung zu den Arbeitsstunden ist Teil eines neuen Sparpakets der Regierung in Spanien, das nach der griechischen und irischen Schuldenkrise als weiterer möglicher Wackelkandidat in Europa gilt.

SDA/mrs/jak

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