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Moskaus Mann in Wien

Johann Gudenus ist Straches politischer Ziehsohn und fädelte die Beziehungen der FPÖ nach Russland ein. Jetzt haben sie beide die Karriere gekostet.

Bernhard Odehnal
Sie wurden heimlich gefilmt: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (Mitte), seine rechte Hand Johann Gudenus und dessen Frau in einer Villa auf Ibiza. Video: SZ

Russland hatte es ihm schon immer angetan. In einem Interview mit dem russischen Propagandasender RT beschrieb Johann Gudenus Moskau einmal als «meine liebste Stadt». Damals war er Vizebürgermeister von Wien und stand vor einem weiteren Karrieresprung – zum Fraktionschef der FPÖ im österreichischen Parlament.

Es war aber nicht nur die Faszination für Oligarchen und Potentaten im Osten, die Gudenus’ politische Laufbahn nun abrupt beendete. Sondern auch die Aussicht auf viel Geld.

Der 42-jährige Gudenus stammt aus einer alten österreichischen Adelsfamilie, sein Vater John war Abgeordneter der FPÖ, deutschnational und wurde wegen Leugnung des Holocausts verurteilt. Offenbar bald nach dem Tod des Vaters wurde der Sohn von einer Frau aus dem Osten Europas kontaktiert, die ein Stück der gräflichen Ländereien kaufen wollte und dafür einen absurd hohen Preis geboten habe.

So wird es von «Spiegel» und «Süddeutscher» erzählt und vom nun zurückgetretenen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bestätigt: Die Frau habe sich als lettische Staatsbürgerin vorgestellt. Laut deutschen Medien soll sie sich als Nichte eines russischen Oligarchen vorgestellt haben. Tatsächlich war sie ein Lockvogel.

«Das ist keine Falle.»

Johann Gudenus zerstreute die Zweifel seines Chefs

Dass Gudenus die Identität der Frau nie überprüfte und sich dann mit seinem Chef auch noch in eine Villa auf Ibiza einladen liess, wurde ihm zum Verhängnis. Es gibt eine Sequenz der siebenstündigen versteckten Videoaufzeichnung, die zwar nicht veröffentlicht wurde, aber von der «Süddeutschen Zeitung» beschrieben wird: Darin äussert Strache Zweifel an der Echtheit der angeblichen Oligarchen-Nichte und fragt, ob es nicht eine Falle sein könnte. Gudenus zerstreut alle Zweifel: «Das ist keine Falle».

Ob die Freundschaft zwischen Strache und seinem politischen Ziehsohn Gudenus die Ibiza-Affäre überlebt, ist fraglich. Bei seiner Rücktrittserklärung umgab sich Strache mit Ministern seiner Partei. Gudenus war nicht anwesend.

Dabei war es stets Gudenus, der in der FPÖ die Kontakte zu Regierungskreisen, nationalistischen Ideologen und Oligarchen in Russland vorantrieb. Seine Verbindungen gehen zurück bis zu seiner Studienzeit, die er zum Teil an einer Moskauer Universität verbrachte. Gudenus spricht russisch, allerdings nicht sehr gut. Im Ibiza-Video ist zu sehen und zu hören, wie er mit Aussprache und Übersetzungen ringt.

Der Mann fürs Grobe

Gut zehn Jahre lang bemühte sich Gudenus, die Verbindungen zwischen Russlands politischer Führung und der FPÖ zu festigen. Bis der Kreml seine Tore für die österreichischen Rechtspopulisten öffnete, war es allerdings ein langer Weg. Erst musste Gudenus zahlreiche Zeichen der Loyalität setzten.

Er fuhr in die tschetschenische Hauptstadt Grozny, traf dort Diktator Ramsan Kadyrow. Er klagte bei einer Konferenz in Moskau über die «Homosexuellen-Lobby». Er fuhr als «Wahlbeobachter» zum international nicht anerkannten Referendum auf die russisch besetzte Halbinsel Krim. Er freundete sich mit dem nationalistischen Oligarchen Konstantin Malofejev an und organisierte mit ihm eine Konferenz der nationalistischen Kräfte in Wien. Malofejew rühmte später seine guten Kontakte zur FPÖ. Immer wieder kritisierte «Straches Mann fürs Grobe» (so österreichische Medien) die westlichen Sanktionen gegen Russland oder gab den Propaganda-Sendern des Kremls Interviews, in denen er gegen Flüchtlinge und den Islam hetzte.

So viel Einsatz wurde vom Kreml belohnt. Im Dezember 2016 unterzeichneten Gudenus, Strache und der damalige Präsidentschaftskandidat der FPÖ, Norbert Hofer, ein Kooperationsabkommen mit Putins Partei «Einiges Russland». Praktische Auswirkungen hatte dieser Vertrag kaum, symbolische Bedeutung umso mehr.

Österreichs Rechtspopulisten sprachen nun mit dem Kreml auf Augenhöhe. Kurz danach schloss die italienische Lega ein solches Abkommen. Im Gegensatz zum französischen Front National, der einen Millionenkredit aus Moskau erhielt, dürften aber weder italienische noch österreichische Rechtspopulisten finanziell unterstützt worden sein. Im Ibiza-Video sprechen Strache und Gudenus von Spenden österreichischer und deutscher Millionäre.

Nachdem die FPÖ an die Regierung gekommen war, verlor Gudenus bei den Ostkontakten eher an Einfluss. Die Beziehungen zu Moskau wurden von Vizekanzler Strache und Aussenministerin Karin Kneissl übernommen. Zu Kneissls Hochzeit reiste Russlands Präsident persönlich an. Kneissls Knicks nach einem Tanz mit Putin wurde zum Symbolbild: Für den Kniefall der Rechtspopulisten vor Moskau.

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