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Mutmasslicher Attentäter von Lyon bricht das Schweigen

Nach einem Anschlag auf ein französisches Gaslager und der Enthauptung eines Mannes ist der vermeintliche Täter weiter vernommen worden.

Präsenz: Französische Beamte kontrollieren das Industriequartier in Saint-Quentin-Fallavier in der Nähe von Lyon. (27. Juni 2015)
Präsenz: Französische Beamte kontrollieren das Industriequartier in Saint-Quentin-Fallavier in der Nähe von Lyon. (27. Juni 2015)
Michel Euler, Keystone

Der mutmassliche Islamist, der einen Anschlag auf ein Gaslager in Frankreich verübt und seinen Chef enthauptet haben soll, hat erstmals mit den Ermittlern gesprochen. «Er war stumm, aber jetzt hat er seine Haltung geändert», verlautete es heute Abend aus Ermittlerkreisen in Lyon.

Der verdächtige Yassine Salhi hat ein Selfie-Foto mit dem enthaupteten Opfer gemacht, wie es weiter hiess. Er habe das Bild über den Messenger-Dienst WhatsApp an eine kanadische Handynummer weitergeschickt, sagten Ermittler der Nachrichtenagentur AP. Medienberichte, wonach der Empfänger des Fotos mittlerweile in Syrien ist, konnten sie nicht bestätigen.

Der 35-Jährige begann heute mit der Polizei zu sprechen, nachdem er zuvor die Aussage verweigert hatte, wie eine Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte. Einzelheiten wollte sie aber nicht nennen. Unklar war zunächst unter anderem noch, wo das Opfer genau umgebracht wurde. Es sei aber zunächst erdrosselt worden, bevor es geköpft wurde, sagte die Sprecherin.

Weitere Festnahmen

Zum Anschlag bekannte sich zunächst keine Jihadistengruppe – anders als bei den am selben Tag verübten Attentaten in Tunesien und Kuwait, zu denen sich die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte. Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins hatte gestern erklärt, es existierten noch zahlreiche Unklarheiten, unter anderem, ob es Komplizen gab.

Neben dem mutmasslichen Attentäter wurden auch seine Ehefrau, seine Schwester und ein weiterer Mann festgenommen. Gegen letzteren wird wegen «Terrorvorwürfen» ermittelt, seine Verbindung zum Anschlag ist aber noch unklar. Bislang gibt es Molins zufolge keine Hinweise, dass der Attentäter einen Komplizen hatte.

Sitzung des Sicherheitskabinetts

Hollande beriet heute mit den Ministern für Äusseres, Inneres, Justiz und Verteidigung sowie Premierminister Manuel Valls über Konsequenzen aus dem Anschlag. Valls hatte seinen Südamerika-Besuch vorzeitig abgebrochen und war am Morgen wieder in Paris eingetroffen.

Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, die Regierung arbeite angesichts der Bedrohungslage ohne Unterlass. Cazeneuve kündigte 500 neue Stellen pro Jahr bei Polizei und Gendarmerie an, sowie 1500 neue Stellen ab Januar für die Nachrichtendienste. Für die Modernisierung dieser Dienste würden für die nächsten drei Jahre 233 Millionen Euro bereitgestellt.

Valls hatte zuvor gewarnt, dass Frankreich weitere Anschläge drohten und das Attentat vom Freitag die Spannungen im Land verschärfen dürfte. «Dieser makabere Akt der Enthauptung und die Inszenierung mit Flaggen ist in Frankreich neu», sagte Valls. Zugleich warnte er vor weiteren Anschlägen. Die Frage sei nicht, ob es einen weiteren Anschlag geben werde, sondern wann.

Nicht zum ersten Mal

Frankreich war bereits im Januar Ziel von islamistischen Attentaten geworden, als drei Islamisten bei Anschlägen auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo», auf eine Polizistin und auf einen jüdischen Supermarkt im Grossraum Paris insgesamt 17 Menschen töteten. 2012 tötete ein Islamist in Toulouse Soldaten und jüdische Kinder. Hunderte Franzosen schlossen sich überdies den Jihadisten in Syrien und im Irak an.

Ebenso wie die Attentäter von Paris und Toulouse war auch der mutmassliche Attentäter den Behörden wegen «Radikalisierung» bekannt. 2006 war er auf eine Liste der Sicherheitsbehörden gesetzt, 2008 aber wieder aus dem Register gestrichen worden.

Vorstrafen hatte der dreifache Vater nicht. Staatsanwalt Molins sagte, zwischen 2011 und 2014 sei er den Geheimdiensten immer wieder wegen Kontakten zur Salafisten-Szene von Lyon aufgefallen. Ein Kollege von ihm beschrieb ihn als «Wolf im Schafspelz». Er habe auch über den IS gesprochen.

Im Ort des Angriffs, Saint-Quentin-Fallavier, und in der Heimatstadt des Opfers, Fontaines-sur-Saône, versammelten sich heute Hunderte, um gegen Gewalt zu demonstrieren und den getöteten Unternehmer zu würdigen. Er hatte den Verdächtigen erst im März in seinem Transportunternehmen angestellt.

SDA/fal

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